Die neuesten Journalisten auf dem Capitol Hill stammen von TMZ. Die Klatschplattform, bekannt für ihre aggressiven und manchmal fragwürdigen, aber oft erfolgreichen Recherchemethoden, eröffnete kürzlich ein Büro in Washington, D.C. Damit wird die Berichterstattung über Politiker noch stärker an die Prominenten-Nachrichten angelehnt. So forderte TMZ-Gründer Harvey Levin kürzlich die Öffentlichkeit auf, Fotos von Abgeordneten zu schicken, die während der Kongresspause nicht ihrer Arbeit nachgingen.

Doch diese Entwicklung hat ihren Ursprung bereits in den 1980er-Jahren. Ein prägnantes Beispiel ist der Fall des Senators Gary Hart aus Colorado. Der einstige Favorit für die demokratische Präsidentschaftskandidatur 1988 musste nach Enthüllungen über eine Affäre seine Ambitionen aufgeben. Rolling-Stone-Autor Matt Bai, der mit seinem Buch All the Truth Is Out: The Week Politics Went Tabloid den Hart-Skandal analysierte, erklärt im Podcast Today, Explained, dass Hart mit vielen Entwicklungen der Politik der kommenden Jahrzehnte richtig lag – darunter auch die Frage, welche Führungspersönlichkeiten wir „verdienen“.

Wer war Gary Hart?

1987 galt Gary Hart als klarer Spitzenkandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 1988. Doch innerhalb einer Woche war alles vorbei – der erste moderne Sexskandal der politischen Berichterstattung in der Ära des Fernsehens. Hart wurde vorgeworfen, eine Affäre mit einer Frau zu haben, die nicht seine Ehefrau war. Medienberichten zufolge verbrachte er eine Nacht mit ihr auf einem Boot und hatte sie anschließend in seinem Stadthaus. Reporter des Miami Herald observierten ihn sogar aus dem Gebüsch vor seinem Haus. Die Enthüllungen führten zu einem medialen Drama, das Harts politische Karriere sofort beendete – und eine Erholung unmöglich machte.

Ein Wendepunkt für die politische Berichterstattung

Neu war damals nicht nur die Art der Enthüllung, sondern auch die Haltung der Presse: Statt auf strafrechtliche Vergehen oder zufällige Enthüllungen zu warten, suchten Reporter aktiv nach Beweisen für außereheliche Beziehungen. Die Medien entschieden in diesem Moment, dass es sowohl relevant als auch essenziell sei, zu wissen, ob ein Politiker seiner Ehefrau treu war. „Damals begann die Ära der Satellitentechnologie und des 24-Stunden-Nachrichtenzyklus“, erklärt Bai.

Hart, der in einer Zeit mit anderen Regeln aufgewachsen war, antwortete auf die Vorwürfe lapidar: „Das geht euch nichts an.“ Diese Antwort galt damals – und gilt bis heute – als unangemessen. Selbst in Bai’s Buch, das sich ausschließlich mit dem Fall beschäftigt, findet sich keine detailliertere Stellungnahme Harts. Die Regeln der politischen Berichterstattung hatten sich mit diesem Skandal unwiderruflich verändert.

Quelle: Vox