Elf neue Gaskraftwerke in den USA könnten jährlich mehr Treibhausgase ausstoßen als ganze Länder wie Marokko oder Jordanien. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Magazins Wired, das Emissionsdaten von Gasprojekten für Rechenzentren auswertete. Der Bau dieser Anlagen hat sich seit 2024 vervielfacht, um den Energiehunger der boomenden KI-Branche zu stillen.

Viele Betreiber setzen auf „Behind-the-Meter“-Stromversorgung, bei der Gas-Turbinen direkt vor Ort installiert werden. Diese Lösung ermöglicht eine schnelle Inbetriebnahme, ohne auf lokale Stromnetze angewiesen zu sein. Allerdings führt diese Praxis zu einem rasanten Anstieg der Emissionen, warnt Michael Thomas, Gründer des Clean-Energy-Unternehmens Cleanview.

Laut Daten der Global Energy Monitor wurden Anfang 2027 fast 100 Gigawatt an Gas-Kapazitäten für Datenzentren geplant – ein dramatischer Anstieg gegenüber nur vier Gigawatt zu Beginn des Jahres 2024. „Es wirkt, als stünden wir kurz vor dem Ende der Industrialisierung, doch jetzt erleben wir einen neuen Schub fossiler Energien“, so Thomas. „Das macht mir große Angst.“

Ein einzelnes Projekt könnte Island übertreffen

Das größte geplante Vorhaben ist Project Matador in Texas: Ein gigantischer Campus, der sechs Gigawatt Gasleistung erhalten soll. Die prognostizierten CO₂-Emissionen von über 40 Millionen Tonnen pro Jahr würden die des gesamten Landes Jordanien übersteigen. Selbst die umstrittenen Datenzentren Colossus und Colossus 2 von Elon Musk in Tennessee könnten jeweils mehr ausstoßen als Island.

Zusammen könnten die elf Anlagen jährlich bis zu 129 Millionen Tonnen Treibhausgase freisetzen – mehr als der gesamte CO₂-Ausstoß von Marokko mit 38 Millionen Einwohnern. Doch diese Zahlen basieren auf den maximalen genehmigten Werten, die Gasunternehmen bei Behörden einreichen. In der Praxis dürften die tatsächlichen Emissionen deutlich niedriger liegen, wie Alex Schott von Williams Companies erklärt: „Die genehmigten Werte sind theoretische Szenarien und liegen weit über den realen Emissionen.“ Seiner Einschätzung nach könnten die tatsächlichen Werte sogar zwei Drittel unter den Papierangaben liegen.

Zudem ist ungewiss, ob alle geplanten Anlagen tatsächlich gebaut werden. Project Matador etwa steht vor finanziellen Schwierigkeiten, da die verantwortliche Firma Fermi in Turbulenzen gerät. Selbst wenn die Emissionen nur halb so hoch ausfallen wie prognostiziert, würden die Datenzentren die Umwelt dennoch stärker belasten als viele Länder.

Quelle: Futurism