Seit Donald Trump Präsident ist, hat die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) den Zugang zum offiziellen Meldesystem EDGAR für kleine und aktivistische Investoren erschwert. Jetzt wehren sich diese mit einer eigenen Plattform: der Proxy Open Exchange (POE).

Die Initiative zielt darauf ab, mehr Transparenz in einem zunehmend eingeschränkten Raum zu schaffen. Im Januar 2026 erklärte die SEC, dass Investoren mit weniger als 5 Millionen Dollar an Aktien EDGAR nicht mehr nutzen dürfen, um sogenannte exempt solicitations an andere Aktionäre zu senden. Diese Dokumente dienen oft dazu, Positionen zu Themen wie Klimaschutz, Unternehmensführung oder Diversität darzulegen.

„Ein freier Markt erfordert Kommunikation“, betont Andrew Behar, CEO der Aktionärsinitiative As You Sow, die POE ins Leben gerufen hat. „Wenn sie uns EDGAR nehmen, geben wir ihnen POE.“

Die Resonanz war schnell: Innerhalb einer Woche gingen bereits 63 Einreichungen auf POE ein – deutlich mehr als die 39, die EDGAR bisher in diesem Jahr verzeichnet. Die SEC äußerte sich nicht direkt zu POE, hatte aber zuvor erklärt, die Einschränkungen dienten dazu, den Umfang staatlicher Regulierung zu begrenzen und die „große Anzahl an Anfragen“ zu reduzieren, die oft schnelle Bearbeitung erfordern. „Unternehmen haben über Jahre hinweg Bedenken geäußert, dass solche Anfragen Verwirrung bei ihren Investoren stiften“, hieß es in einer Stellungnahme.

Kritiker sehen in der Maßnahme jedoch einen Versuch, unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die SEC verwies darauf, dass Aktionäre weiterhin andere Kanäle wie Pressemitteilungen, E-Mails oder soziale Medien nutzen könnten. Dennoch gilt POE als bisher robusteste Alternative zu EDGAR.

Die Plattform orientiert sich stark am Vorbild EDGAR – sogar die gleichen Identifikationscodes (sogenannte central index keys) kommen zum Einsatz. As You Sow prüft zwar auf grundlegende Fehler, filtert aber keine Inhalte. „POE ist ein mutiger Ansatz, um eine große öffentliche Plattform zu schaffen, auf der alle Meinungen Platz finden“, sagt Tim Smith, Senior Policy Advisor beim Interfaith Center on Corporate Responsibility, der die Initiative begrüßt. „Das kann ein Investor sein, der eine Klimaresolution einreicht – oder ein konservativer Aktionär, der eine Resolution zu Diversität oder Inklusion vorantreibt.“

Alle Einreichungen unterliegen denselben rechtlichen Vorgaben wie auf EDGAR, betont Jill Fisch, Professorin für Wirtschaftsrecht an der University of Pennsylvania. „Die Angaben müssen korrekt sein und dürfen keine falschen oder irreführenden Informationen enthalten.“

Quelle: Grist