Es ist zehn Jahre her, dass Diego Luna zuletzt Regie führte. In dieser Zeit stand der mexikanische Schauspieler vor der Kamera in Serien wie „Andor“ und „Narcos: Mexico“. Doch sein Comeback als Regisseur mit dem Film „Ashes“ – der am Mittwoch auf dem Cannes Film Festival Premiere feierte – ist kein lautes Statement, sondern ein zurückhaltendes Charakterdrama. Luna verzichtet auf spektakuläre Effekte und setzt stattdessen auf Stille, Dunkelheit und eine reduzierte Erzählweise, um Themen wie Mitgefühl und Empathie zu erkunden.

Mit Unterstützung herausragender Schauspieler wie Adriana Paz und Anna Díaz erzählt Luna eine schlichte Geschichte ohne überflüssige Ausschmückungen. Das Ergebnis ist ein Film, der die Brüchigkeit und Härte unserer Welt widerspiegelt. „Ashes“ (Originaltitel: „Ceniza en la boca“ oder „A Mouthful of Ash“) beginnt in einem dunklen Schlafzimmer in Mexiko. Die junge Mutter Isabel (Adriana Paz) weckt ihre 14-jährige Tochter Lucila und sagt: „Ich muss gehen. Pass gut auf deinen Bruder auf, ja?“ Durch das Fenster beobachtet Lucy, wie ihre Mutter in ein Taxi steigt und davonfährt – für acht Jahre.

Der Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Brenda Navarro aus dem Jahr 2022, geht nicht auf die Gründe für Isabels Abreise nach Spanien ein. Stattdessen erkundet er die Lebensrealität von Migrantinnen und Migranten, deren Hoffnung auf ein besseres Leben oft enttäuscht wird, sowie die Folgen für die Zurückgebliebenen. Jahre später folgen Lucy und ihr Bruder Diego ihrer Mutter nach Madrid. Dort arbeitet Lucy als Kindermädchen für eine anspruchsvolle Frau, deren Sohn Diego in der Schule andere Kinder verletzt. Lucy ist überlastet, doch Lunas Inszenierung bleibt nüchtern und zurückhaltend. Er wirft den Zuschauer direkt in ihr Leben und überlässt es dem Publikum, Empathie zu entwickeln.

Wie ihre Mutter verließ Lucy Mexiko auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Doch als sie auf der Straße einen Kran beobachtet, der ein Sofa in eine Wohnung im oberen Stockwerk hievt, wird klar: Diese Welt bleibt ihr verschlossen. Der Film springt zwischen verschiedenen Szenen in Madrid und später Barcelona hin und her. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass Lucy ihr Leben aus dem Trott der Mühsal befreien kann. Zwar schleicht sie sich nachts manchmal zum Tanzen mit ihrem Freund davon, doch als der offensichtlich traumatisierte Diego in Barcelona vor ihrer Tür steht, deutet wenig auf ein glückliches Ende hin.

Luna inszeniert die Handlung oft durch Fenster oder aus der Distanz. Sein Tempo ist bewusst langsam und mäandernd. Die Filmmusik ist minimalistisch, doch das Sounddesign ist präzise: Als Lucy einen Anruf mit der schlimmsten Nachricht über Diego erhält, vermischen sich ihre Schreie mit dem Lärm der Stadt – ein eindringliches Bild für ihre Hilflosigkeit und den Schmerz einer zerrissenen Familie.

Quelle: The Wrap