Krypto-Börsen starten Ermittlungen nach Token-Crash

Die Krypto-Börsen Binance und Bitget bestätigten am Montag, dass sie Vorwürfe der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Token RAVE des Projekts RaveDAO prüfen. Der Kurs des Tokens stürzte am Wochenende um etwa 90 Prozent ab, nachdem er zuvor innerhalb weniger Tage um 7.000 Prozent gestiegen war.

RaveDAO: Von einer Nischen-Idee zur Milliarden-Bewertung

RaveDAO präsentiert sich als „community-getriebene globale Rave-Macht“ und organisiert seit Ende 2023 elektronische Tanzveranstaltungen, darunter Afterpartys auf Krypto-Konferenzen. Laut eigenen Angaben baut das Projekt „community-gegründete lokale Chapters“ auf. Anfang April begann der RAVE-Token ohne erkennbaren Grund stark zu steigen und erreichte am 18. April eine Marktkapitalisierung von rund 5 Milliarden Dollar – kurzzeitig sogar Platz 20 der größten Kryptowährungen.

Doch bereits zwei Tage später brach der Kurs ein und verlor den Großteil seines Wertes. Kritiker stellen nun die Frage, wie ein solch extremes Auf und Ab in so kurzer Zeit möglich war – selbst für den hochvolatilen Kryptomarkt.

Vorwürfe der Marktmanipulation

Der rasante Aufstieg und Fall des RAVE-Tokens reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein, bei denen neu aufgelegte Tokens innerhalb kürzester Zeit Milliardenwerte erreichten, um dann genauso schnell wieder zu fallen. Ein typisches Muster: Nur wenige Wallets kontrollieren den Großteil des Token-Angebots, während der Rest gesperrt oder in den Händen der Projektgründer liegt.

Bevor der Token an Börsen wie Binance oder Bitget gehandelt wird, ist der Handel oft auf wenige Wallets beschränkt. Dies ermöglicht es Insidern, den Preis durch gezielte Käufe künstlich in die Höhe zu treiben, bevor sie ihn an ahnungslose Anleger verkaufen.

ZachXBT deckt mutmaßliche Manipulation auf

„Wir können diese offene Marktmanipulation durch Insider, die 90 Prozent des RAVE-Angebots kontrollieren, nicht länger zulassen. Sie entziehen damit Kleinanlegern ihr Geld.“
ZachXBT, pseudonymer Krypto-Ermittler

Laut ZachXBT soll die mutmaßliche Pump-and-Dump-Aktion über drei Börsen gelaufen sein: Binance, Bitget und Gate. Sowohl Binance-CEO Richard Teng als auch Bitget-CEO Gracy Chen kündigten daraufhin interne Untersuchungen an.

„Wir werden unseren Teil dazu beitragen, alle Formen von Marktmissbrauch zu untersuchen.“
Richard Teng, CEO von Binance

85 Prozent des Token-Angebots in wenigen Händen

On-Chain-Daten zeigen, dass etwa 75 Prozent des gesamten RAVE-Token-Angebots in einer einzigen Wallet liegen, die dem RaveDAO-Team zugeordnet wird. Zwei weitere Wallets, die mit der Haupt-Wallet verbunden sind, halten jeweils rund 10 Prozent. Insgesamt könnten somit bis zu 85 Prozent des Angebots nicht frei handelbar sein.

Diese Konzentration ermöglicht es wenigen Akteuren, durch große Käufe oder Verkäufe den Preis massiv zu beeinflussen. Kritiker weisen darauf hin, dass dies im Widerspruch zu den Prinzipien einer dezentralen autonomen Organisation (DAO) steht, die eigentlich durch eine breite Streuung der Token und gemeinschaftliche Entscheidungen geprägt sein sollte.

Forderungen nach mehr Transparenz

Die Vorfälle werfen erneut Fragen nach der Regulierung und Transparenz im Kryptomarkt auf. Da zentrale Börsen wie Binance oder Bitget ihre Handelsdaten nicht öffentlich zugänglich machen, bleibt unklar, wer tatsächlich hinter den Käufen und Verkäufen steht. Experten fordern strengere Kontrollen, um Anleger vor solchen Manipulationen zu schützen.

RaveDAO selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Börse Gate, die ebenfalls in den Fokus der Ermittlungen geraten ist, blieb auf Anfrage ebenfalls ohne Stellungnahme.

Quelle: DL News