Die wirtschaftliche Bilanz von Präsident Donald Trump kostet ihn in den umkämpften Sun-Belt-Staaten Wählerstimmen. Das eröffnet den Demokraten eine Chance, diese Regionen vor den Midterm-Wahlen im November zu gewinnen – allerdings mit großen Hürden. Denn aktuell bevorzugen die meisten Wähler in diesen Staaten weiterhin die Republikaner.
Umfrage zeigt: Wirtschaftliche Unzufriedenheit als Hebel für Demokraten
Das ist das Ergebnis einer neuen Wahlumfrage, die die linke Strategiegruppe Way to Win am Mittwoch veröffentlichte. Die Erhebung basiert auf einer Befragung von 1.282 wahrscheinlichen Wählern in sechs Bundesstaaten – darunter Arizona, Georgia, Mississippi, Nevada, North Carolina und Texas. Zudem wurden 14 umkämpfte Kongresswahlkreise in vier dieser Staaten detailliert analysiert.
Enthusiasmus bei Demokraten deutlich höher
Die Umfrage bringt eine klare Diskrepanz in der Wahlmotivation zum Vorschein: 72 Prozent der Demokraten gaben an, im November mit hoher Wahrscheinlichkeit wählen zu gehen. Bei den Republikanern waren es nur 34 Prozent, bei Unabhängigen 66 Prozent.
Doch trotz dieser Dynamik führen die Demokraten in nur einem der sechs Bundesstaaten – Georgia – in den allgemeinen Wählerumfragen. Auf nationaler Ebene liegt die demokratische Partei im Schnitt fünf Punkte vor den Republikanern. In den umkämpften Wahlkreisen hingegen haben die Republikaner einen Vorsprung von sieben Punkten.
Trumps Wirtschaftspolitik unter Druck
Die Umfrage zeigt, dass die wirtschaftliche Unzufriedenheit ein zentrales Problem für Trump und die Republikaner darstellt. Der Präsident liegt in der Bewertung der Wirtschaftspolitik 17 Punkte unter null. Seine allgemeine Zustimmungsrate von 49 Prozent in diesen Staaten ist zwar höher als im nationalen Durchschnitt, doch die wirtschaftliche Stimmung bleibt angespannt.
Die Wähler machen vor allem GOP-Politiker und Großkonzerne für die steigenden Lebenshaltungskosten verantwortlich – nicht etwa Einwanderer, Demokraten oder die Federal Reserve, wie Trump es oft tut.
„Trumps Versagen in der Wirtschaftspolitik ist die Chance, neue Wählerkoalitionen in diesen Staaten aufzubauen.“
Jenifer Fernandez Ancona, Mitgründerin und Vizepräsidentin von Way to Win
Populistische Botschaften der Linken überzeugen mehr
Die Umfrage testete verschiedene politische Botschaften – sowohl von rechts als auch von links. Dabei zeigte sich: Linke populistische Argumente fanden deutlich mehr Anklang. Die Wähler stimmten eher der Aussage zu, dass „Großkonzerne und reiche Eliten die Regeln zu ihrem Vorteil geschrieben haben, wodurch das Leben für alle anderen teurer wird“ – statt der republikanischen Erzählung von „unkontrollierter Staatsausgaben, zu vielen Einwanderern und kulturellen Themen statt traditioneller Werte“.
Besonders erfolgreich waren linke Botschaften zu Themen wie Wirtschaft, Wohnungsmarkt, Einwanderung, Kriminalität und künstlicher Intelligenz. Selbst klassische demokratische Themen wie Besteuerung von Konzernen und Superreichen, Senkung der Steuern für die Mittelschicht und Schaffung neuer Arbeitsplätze schnitten besser ab als republikanische Positionen wie Steuersenkungen für Unternehmen, Abbau des Sozialstaats und die Bekämpfung von Einwanderung als „Jobklau“.
„Das ist die Schwachstelle der Republikaner: Populistische Botschaften funktionieren besser, weil sie klare Schuldige benennen.“
Jenifer Fernandez Ancona, Way to Win
Korruption als einziges republikanisches Erfolgsthema
Der einzige Bereich, in dem republikanische Botschaften überzeugten, war das Thema Staatsverschwendung und Korruption. Die Forderung, „Betrug und übermäßige Ausgaben im Staat zu stoppen – einschließlich Zahlungen an Menschen, die sie nicht brauchen“, fand mehr Zustimmung als Themen wie Wahlkampffinanzierungsreform oder ein Handelsverbot für Kongressmitglieder.