Die Democratic Congressional Campaign Committee (DCCC) hat am Montag eine seltene und hitzige öffentliche Auseinandersetzung unter Hausdemokraten ausgelöst, indem sie in mehreren umstrittenen Vorwahlen gleichzeitig Kandidaten unterstützte. Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen auf: Handelt die Parteiführung undemokratisch, indem sie vermeintlich wählbarere Kandidaten bevorzugt?

Die Vorsitzende des Congressional Progressive Caucus PAC, die sich für progressive Kandidaten einsetzt, kritisierte die DCCC scharf: „Wähler – nicht die DCCC – sollten demokratische Kandidaten nominieren.“

Rep. Linda Sánchez (D-Calif.), Vorsitzende des Congressional Hispanic Caucus’ BOLD PAC, zeigte sich empört, dass mehrere Latino-Kandidaten bei den Endorsements übergangen wurden. Sie betonte: „Latino-Wähler und -Kandidaten sind kein kleiner Faktor im Kampf um die Mehrheit im Repräsentantenhaus – sie sind zentral dafür.“

Neue Endorsements der DCCC

Die DCCC verkündete acht neue Unterstützungen im Rahmen ihres Programms „Red to Blue“, das demokratische Herausforderer gegen republikanische Amtsinhaber fördert. Die Auswahl erfolgt nach strengen Kriterien wie lokaler Unterstützung, Kampagnenorganisation und Fundraising.

Fünf der acht unterstützten Kandidaten stehen jedoch in ihren eigenen Vorwahlen gegen innerparteiliche Konkurrenten. Darunter:

  • Jasmeet Bains, Abgeordnete im kalifornischen Staatsparlament, die im 22. Kongresswahlbezirk gegen den progressiven Randy Villegas antritt. Die Auseinandersetzung gilt als Stellvertreterkrieg zwischen ideologischen Lagern der Demokraten.
  • Bob Brooks, ein Feuerwehrmann aus Pennsylvanias 7. Wahlbezirk, der gegen drei gut finanzierte Mitbewerber mit unterschiedlicher Unterstützung aus dem Establishment antritt.
  • Marlene Galán-Woods, ehemalige TV-Journalistin, die im 1. Wahlbezirk Arizonas unterstützt wird – obwohl sie 2024 in der Vorwahl gegen den ehemaligen Abgeordneten Amish Shah unterlag.

Unmut in den eigenen Reihen

Mehrere Abgeordnete des Repräsentantenhauses, die anonym bleiben wollten, äußerten sich kritisch über die Entscheidungen der DCCC. Ein Demokrat bezeichnete die Unterstützung für Brooks als „sehr verwirrend“ und kündigte an, mögliche Spenden an die DCCC zu überdenken. Ein anderer zeigte sich überrascht von der Wahl Bains’: „Villegas hat mehr Unterstützung aus dem Kongress und ist beliebt – das ist schon überraschend.“

Ein dritter Abgeordneter fragte sich, warum Galán-Woods bevorzugt wurde: „Shah hat die Vorwahl gewonnen und gilt diesmal als Favorit. Ich frage mich, ob die DCCC Umfragen durchgeführt hat.“

Kritik von außen

Auch externe Gruppen melden sich zu Wort. David Hogg, Mitgründer der Organisation Leaders We Deserve, warf der DCCC vor: „Die demokratische Führung verschwendet Ressourcen in Vorwahlen, um schwache Kandidaten zu pushen. Die Unterstützung für Bains ist ein großer Fehler.“

Ravi Mangla, Sprecher der Working Families Party, kritisierte: „Die demokratische Führung legt wieder ihren Finger auf die Waage – nicht um die besten Kandidaten zu unterstützen, sondern um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.“

Quelle: Axios