Die meisten Führungskräfte in der Automobil- oder Motorradbranche haben einen wirtschaftlichen Hintergrund. Jason Chinnock, CEO von Ducati North America, ist eine Ausnahme: Er restaurierte ein 1971er Ducati 450 R/T Desmo und startete damit bei einem anspruchsvollen Wüstenrennen in Kalifornien.

Ein Rennmotorrad mit historischer Bedeutung

Chinnock trat bei der Biltwell 100 2024 an, einem harten Wüstenrennen in Kalifornien, das Ducatis 100-jähriges Jubiläum feierte. Das von ihm gefahrene Motorrad hat eine besondere Geschichte: Es wurde in den 1960er-Jahren auf Wunsch von Berliner Motors entwickelt, Ducatis US-Importeur, nachdem das Unternehmen mit einer Ducati Scrambler 350 die Baja 500 gewonnen hatte. Der Erfolg im Geländesport führte zur Entwicklung eines speziellen Modells für unwegsames Gelände.

Aufwendige Restaurierung für den Renneinsatz

Chinnock startete das Projekt im Januar 2024. Unterstützt wurde er von Branchengrößen wie Pirelli, Dubya und Race Tech. Das Motorrad erhielt einen überarbeiteten, luftgekühlten Einzylinder mit Ducati-typischen Rennsport-Optimierungen. Zudem wurden ein Titan-Endschalldämpfer, ein modifizierter Schwingarm und eine maßgefertigte Aluminium-Unterbodenplatte verbaut. Die Lackierung in Grün-Weiß orientierte sich am Original-Prototypen der 450 R/T.

Rennen trotz technischer Probleme und Sturz

In der Kategorie Dual Shock (1971–1990) gestartet, zeigte Chinnock auf der Strecke Nerven aus Stahl: Während des Rennens tauschte er eine verschmutzte Zündkerze aus und fuhr die letzten 17 Meilen mit verbogenen Lenkergriffen, nachdem er in einen Graben geraten war. Zwar erreichte er nicht das Podest, beendete das Rennen aber erfolgreich. Am Folgetag startete er auf einer Ducati Desmo450 EDX – Ducatis erster MotoCross-Maschine – schied jedoch nach einem Sturz aus. Der Rennfahrer Jordan Graham (Fasthouse Ducati) gewann die Kategorie mit sechs Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

„Ich plane, nächstes Jahr wieder anzutreten.“
Jason Chinnock, CEO von Ducati North America

Geschäftssinn und Leidenschaft vereint

Dass Chinnock ein Motorrad restauriert und selbst fährt, passt zu einem modernen Unternehmensführer. Carlos Tavares, ehemaliger Stellantis-Chef, ist ein weiteres Beispiel: Der begeisterte Rennfahrer startete 2022 mit einem Lancia Stratos bei der Historic Monte-Carlo Rallye. Solche Persönlichkeiten zeigen, dass unternehmerische Expertise und Leidenschaft für den Motorsport keine Gegensätze sein müssen.

Quelle: Hagerty