Eine ehemalige Polizistin des US-Kapitols, die während des Sturms am 6. Januar 2021 im Einsatz war, hat die konservative Nachrichtenplattform The Blaze verklagt. Der Grund: Ein Artikel des Portals, der sie anhand einer umstrittenen Ganganalyse als mutmaßlichen Bombenleger des Januar-6-Angriffs identifizierte, löste eine dramatische und nach Ansicht der Klägerin völlig unnötige FBI-Razzia in ihrem Haus aus.
Shauni Kerkhoff, die später als Zeugin gegen einige der Angreifer aussagte, reichte die Klage am Dienstag ein. Darin beschreibt sie, wie das FBI aufgrund der Berichterstattung von The Blaze mit schwer bewaffneten Einsatzkräften, Sprengstoffspürhunden und einem Hubschrauber vor ihrem Haus auftauchte – ein Vorgehen, das sie als „terrorisierend und unverhältnismäßig“ bezeichnet.
Wie eine falsche Theorie zu einer FBI-Operation führte
Der Fall begann im November 2023, als The Blaze einen Artikel veröffentlichte, in dem der Reporter Steve Baker Kerkhoff anhand einer Ganganalyse als möglichen Bombenleger des Januar-6-Angriffs darstellte. Die Analyse basierte auf angeblichen Ähnlichkeiten zwischen Kerkhoffs Gangbild und dem des mutmaßlichen Täters. Obwohl der Artikel später zurückgezogen wurde, hatte er bereits weitreichende Folgen.
Laut Kerkhoffs Klage teilte Baker seine Erkenntnisse bereits vor der Veröffentlichung mit Mitarbeitern der damaligen Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard. Diese erstellte daraufhin ein internes Memo, in dem Kerkhoff als Verdächtige genannt wurde. Zwei Tage vor Erscheinen des Artikels – und einen Tag nach Bakers Ankündigung seiner „Enthüllung“ in einer Podcast-Folge mit Glenn Beck – wurde Kerkhoff von FBI-Agenten kontaktiert. Sie behauptet, man habe sie zu „Online-Gerüchten“ über ihre angebliche Beteiligung an den Bombenanschlägen befragt.
Kerkhoff, die zu diesem Zeitpunkt bereits für die CIA arbeitete, wurde anschließend beurlaubt und von den Agenten gebeten, eine Hausdurchsuchung zu genehmigen – angeblich, um nach einem Paar Schuhe zu suchen, die der Bombenleger getragen haben soll. Kerkhoff und ihr Partner verweigerten die Zustimmung, willigten aber ein, die Beamten am Haus zu empfangen.
Spektakuläre Razzia mit Hubschrauber und Sprengstoffhunden
Doch statt einer ruhigen Klärung folgte eine dramatische Eskalation. Kerkhoff beschreibt in ihrer Klage, wie kurz nach ihrer Ankunft eine „Kolonne von FBI-Fahrzeugen“ ihre Straße blockierte. Darunter befanden sich ein Bombenentsorgungsfahrzeug, ein Hubschrauber in der Luft und schwer bewaffnete Agenten in voller Kampfausrüstung. Die Beamten durchsuchten das Haus mit Sprengstoffspürhunden, durchwühlten Schubladen und warfen persönliche Gegenstände der Familie durcheinander.
„Plötzlich wurde Frau Kerkhoff klar, dass es nicht nur um die Suche nach einem Paar Schuhe ging.“ – Auszug aus der Klageschrift
Die Razzia endete ohne Ergebnis. Kerkhoffs Anwalt, Mark Zaid, bezeichnete das Vorgehen des FBI als „absurd und unverhältnismäßig“. Die Klage wirft zudem Fragen auf, inwieweit Verschwörungstheorien offizielle Ermittlungen beeinflusst haben – selbst auf hoher Ebene.
FBI unter Druck: Neue Vorwürfe gegen die Führung
Der Fall Kerkhoff ist nur ein Beispiel für die problematischen Folgen fragwürdiger Berichterstattung und deren Einfluss auf staatliche Stellen. Besonders brisant: Der Artikel von The Blaze wurde zwar später zurückgezogen, doch die FBI-Ermittlungen liefen weiter. Unter der Leitung von Kash Patel, einem engen Verbündeten von Ex-Präsident Donald Trump, gerieten die Ermittlungen in den Fokus der Öffentlichkeit. Kritiker werfen dem FBI vor, in der Vergangenheit zu oft auf unbelegte Theorien aus rechtsextremen und verschwörungsideologischen Kreisen reagiert zu haben.
Kerkhoffs Anwalt betont, dass seine Mandantin nie verdächtigt wurde und die Ermittlungen gegen sie ohne Grundlage waren. Die Klage fordert nun Schadensersatz für die erlittene psychische Belastung und Rufschädigung. The Blaze hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.