Nach der Enthüllung des New York Times im Jahr 2024 über den heimlichen Verkauf von Fahrerdaten durch General Motors (GM) folgt nun eine weitere hohe Strafe: Die kalifornische Generalstaatsanwältin Rob Bonta hat mit GM einen Vergleich über 12,75 Millionen Dollar geschlossen. Der Vorwurf: Das Unternehmen hat gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen und Hunderttausende Kalifornier:innen illegal ihre Standort- und Fahrdaten verkauft.
GMs Datenverkauf: Ein jahrelanger Skandal
Die Vorwürfe gegen GM reichen bis ins Jahr 2015 zurück, als das Unternehmen begann, über den OnStar-Dienst Daten wie Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Standortinformationen zu sammeln. Doch erst in den letzten zwei Jahren wurde die Tragweite des Problems öffentlich. Laut Consumer Rights Wiki hat GM die Daten von über 14 Millionen Fahrzeugen – darunter 1,8 Millionen in Texas – an Datenhändler wie LexisNexis und Verisk weitergegeben. Diese analysieren die Daten und erstellen daraus sogenannte „Fahrscores“, die anschließend an Versicherungen verkauft werden.
Die Folgen für Verbraucher:innen sind gravierend. Versicherungen nutzen diese Scores, um Prämien zu erhöhen oder sogar Deckungen zu verweigern – ohne dass die Betroffenen davon wussten. Zudem wurde bekannt, dass GM Standortdaten auf einfache Anfragen von Strafverfolgungsbehörden herausgab, ohne richterliche Anordnungen einzuholen. Dies steht im Widerspruch zu den öffentlichen Datenschutzversprechen des Unternehmens.
„GM hat die Daten von Millionen Fahrzeugen an Datenhändler verkauft, die daraus Scores erstellen, die Versicherungen nutzen, um Prämien zu erhöhen oder Deckungen zu verweigern.“
Folgen für GM: Strafen und verlorene Einnahmen
Nach dem Bericht der New York Times über einen Fall, in dem ein Chevy-Bolt-Fahrer durch die Nutzung seiner Telematikdaten höhere Versicherungsprämien zahlen musste, beendete GM sein Programm zur Weitergabe von Fahrerdaten. Dennoch musste das Unternehmen bereits Strafen zahlen: Im Januar 2025 verbot die US-Handelskommission FTC GM für fünf Jahre den Verkauf von Standortdaten. Die aktuelle Strafe aus Kalifornien ist mit 12,75 Millionen Dollar die höchste, die jemals im Rahmen des California Consumer Privacy Act (CCPA) verhängt wurde.
Laut Berichten soll GM durch den Verkauf der OnStar-Daten rund 20 Millionen Dollar eingenommen haben. Doch die Strafen könnten noch höher ausfallen: Auch Texas hat ein Verfahren gegen GM eingeleitet, das noch nicht abgeschlossen ist. Weitere Klagen von Bundesstaaten oder betroffenen Verbraucher:innen sind nicht auszuschließen.
Ein Hoffnungsschimmer für Verbraucherrechte?
Der Fall GM zeigt, wie schnell die Überwachung von Kund:innen und der Verkauf ihrer Daten zur Normalität geworden sind. Automobilhersteller, Versicherungen und andere Unternehmen suchen ständig nach neuen Einnahmequellen durch Daten. Verbraucher:innen sollten daher besonders auf die Datenschutzbestimmungen neuer Fahrzeuge achten und genau prüfen, welche Daten gesammelt und weitergegeben werden.
Experten sehen in der aktuellen Entwicklung einen möglichen Wendepunkt: Die hohen Strafen könnten andere Unternehmen davon abhalten, ähnlich rücksichtslos mit Kundendaten umzugehen. Dennoch bleibt die Frage, wie effektiv solche Maßnahmen langfristig sind, wenn die Nachfrage nach persönlichen Daten weiterhin besteht.
Was Verbraucher:innen tun können
- Datenschutzbestimmungen prüfen: Vor dem Kauf eines Fahrzeugs genau lesen, welche Daten gesammelt und an Dritte weitergegeben werden.
- Opt-out-Möglichkeiten nutzen: Viele Hersteller bieten die Möglichkeit, die Datenerfassung einzuschränken oder zu deaktivieren.
- Beschwerden einreichen: Bei Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen können Verbraucher:innen sich an Verbraucherschutzorganisationen oder Behörden wenden.
- Aufklärung betreiben: Andere über die Risiken von Datenverkauf informieren, um ein Bewusstsein für den Schutz persönlicher Daten zu schaffen.