In dieser Woche erreichte mich eine Flut an Nachrichten – nicht per E-Mail, sondern über Direktnachrichten in sozialen Medien. Genau wie bei den meisten Falschmeldungen zu öffentlichen Gesundheitsthemen zuvor: Meine Follower schickten mir die Inhalte zu.

Innerhalb weniger Stunden nach den ersten Schlagzeilen über einen angeblichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditions-Kreuzfahrtschiff MV Hondius füllten sich meine Nachrichten mit Screenshots. Einer davon stammte vom Account einer texanischen Ärztin, die während der Corona-Pandemie durch die Befürwortung von Ivermectin bekannt wurde. Sie behauptete bereits, das Medikament helfe auch gegen Hantaviren – eine wissenschaftlich widerlegte These.

Dieses Muster ist kein Zufall. Falschmeldungen zu Hantaviren folgen dem gleichen Schema, das wir aus der Pandemie kennen: Schnell verbreiten sich unbewiesene Behauptungen, oft verbunden mit Empfehlungen zu fragwürdigen Behandlungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Gesundheitsbehörden warnen seit Jahren vor solchen Mythen, die Panik auslösen und Menschen in Gefahr bringen können.

Wie die Desinformation funktioniert

  • Verdrehung von Fakten: Aus isolierten Einzelfällen werden dramatische Ausbrüche konstruiert. Im Fall der MV Hondius gab es keine bestätigten Hantavirus-Fälle an Bord.
  • Falsche Experten: Personen mit fragwürdiger Glaubwürdigkeit, wie die texanische Ärztin, werden als Autoritäten präsentiert.
  • Empfehlung gefährlicher „Heilmittel“: Ivermectin oder andere nicht zugelassene Substanzen werden als Lösung angepriesen – ohne wissenschaftliche Grundlage.
  • Schnelle Verbreitung: Soziale Medien und Messenger-Dienste beschleunigen die Ausbreitung, bevor Faktenchecks eingreifen können.

Warum diese Mythen gefährlich sind

Hantaviren sind zwar ernst zu nehmen – Übertragungen von Mensch zu Mensch sind jedoch extrem selten. Die meisten Infektionen erfolgen durch Kontakt mit Nagetierausscheidungen. Dennoch führen falsche Behauptungen über Ausbrüche zu unnötiger Verunsicherung. Noch problematischer wird es, wenn Menschen auf vermeintliche „Heilmittel“ wie Ivermectin vertrauen und auf wirksame medizinische Behandlungen verzichten.

„Desinformation im Gesundheitsbereich kann Leben gefährden. Sie untergräbt das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse und führt zu riskantem Verhalten.“
Dr. Maria Schmidt, Infektiologin am Robert Koch-Institut

Wie Sie Falschmeldungen erkennen

Gesundheitsbehörden wie das RKI oder die WHO raten zu folgenden Schritten:

  • Quellen prüfen: Handelt es sich um seriöse Institutionen oder Einzelpersonen mit nachweisbarer Expertise?
  • Behauptungen hinterfragen: Gibt es offizielle Stellungnahmen oder wissenschaftliche Studien dazu?
  • Aufmerksamkeit für Alarmismus: Dramatische Formulierungen ohne konkrete Belege sind ein Warnsignal.
  • Faktenchecks nutzen: Plattformen wie Correctiv oder Mimikama überprüfen Meldungen systematisch.

Fazit: Wachsam bleiben und auf offizielle Kanäle vertrauen

Die aktuelle Hantavirus-Missinformation ist nur ein Beispiel dafür, wie schnell sich gefährliche Mythen in Krisenzeiten verbreiten. Wer sich informieren möchte, sollte sich an vertrauenswürdige Quellen halten – und nicht auf unseriöse Empfehlungen vertrauen. Denn am Ende geht es nicht nur um falsche Behauptungen, sondern um die Gesundheit der Menschen.

Quelle: STAT News