Hongkong prüft ein Verbot für Elektroautos, die ausschließlich mit elektronischen Türgriffen ausgestattet sind. Parallel dazu wird China ab 2027 mechanische Türöffner für alle neuen Fahrzeuge vorschreiben. Die Behörden begründen diese Maßnahme mit Sicherheitsrisiken: Bei Unfällen oder Stromausfällen könnten elektronische Systeme versagen und Insassen einschließen oder Rettungskräfte behindern.
Elektronische Türgriffe: Designtrend mit Sicherheitsrisiken
Elektronische Türgriffe prägen das futuristische Design moderner E-Autos wie des Tesla Model S oder Model Y. Sie reduzieren den Luftwiderstand und verleihen den Fahrzeugen ein schlankes, buttonfreies Erscheinungsbild. Doch genau diese Technologie steht nun in der Kritik. Hongkong folgt damit dem Beispiel Chinas, das als erstes Land verbindliche Sicherheitsstandards für Türgriffe eingeführt hat.
China setzt ab 2027 auf mechanische Türöffner
Die chinesische Regierung hat mit dem neuen Standard GB 48001-2026 klare Vorgaben geschaffen: Ab 2027 müssen alle Neufahrzeuge über mechanische Türöffner sowohl innen als auch außen verfügen. Dieser Schritt zielt darauf ab, Probleme wie das Versagen von Türgriffen nach Unfällen zu vermeiden. Besonders kritisch wird es, wenn Fahrzeuge nach einem Crash in Brand geraten oder die Stromversorgung ausfällt – Szenarien, in denen elektronische Systeme oft versagen.
Hongkong plant eigene Regelung – aber nur für E-Autos
Obwohl Hongkong politisch zu China gehört, gelten dort aufgrund des Prinzips „Ein Land, zwei Systeme“ eigene Fahrzeugvorschriften. Transportministerin Mable Chan bestätigte, dass die Regierung den chinesischen Standard prüft und bereits die Industrie konsultiert hat. Bereits im vergangenen Jahr erinnerte die Behörde Importeure daran, dass alle Fahrzeuge über manuelle Türöffner verfügen müssen – allerdings beschränkt auf Elektroautos. Verbrennermotorfahrzeuge dürfen weiterhin elektronische oder versteckte Türgriffe nutzen.
Die neue Regelung für E-Autos sieht vor, dass sowohl innen als auch außen mechanische Türöffner vorhanden sein müssen. Der Grund: In Notfällen können elektronische Systeme ausfallen, Insassen einschließen oder Rettungskräften den Zugang erschweren. Besonders problematisch sind versteckte Notauslösemechanismen, die in Paniksituationen schwer zu finden sind.
Experten warnen vor mangelnder Aufklärung
Ringo Lee Yiu-pui, Vertreter des Hongkonger Automobilverbands, weist darauf hin, dass Ersthelfer oft keinen mechanischen Zugang von außen haben. Zudem kritisiert er, dass Verkäufer Kunden häufig nicht ausreichend über die Notfallmechanismen aufklären. Viele moderne E-Autos verzichten nicht nur auf äußere elektronische Türgriffe, sondern auch auf innere Tasten – stattdessen sind Notauslösungen an unauffälligen Stellen versteckt.
Globale Auswirkungen möglich
Automobilhersteller entwickeln selten marktspezifische Türsysteme. Sollte Hongkong die Regelung umsetzen, könnte dies weltweit zum Standard werden. Die Vorgaben könnten dann auch auf Fahrzeuge in Europa, Nordamerika und anderen Regionen übertragen werden – ähnlich wie bei früheren Sicherheitsvorschriften.
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