Unabhängige Buchhandlungen sind mehr als nur Verkaufsstellen für Bücher. Sie schaffen Verbindung, Empathie und Wissen – Werte, die der Online-Riese Amazon nicht bieten kann. Seit Jahren kämpfen sie gegen die Dominanz des E-Commerce-Giganten. Der Independent Bookstore Day, der seit 2015 jährlich am letzten Samstag im April stattfindet, setzt ein Zeichen für die Bedeutung lokaler Buchhandlungen. In diesem Jahr wird er am 25. April gefeiert.

Die Initiative hat sich zu einem kulturellen Phänomen entwickelt. Seit der Pandemie und den anhaltend hohen Lebenshaltungskosten achten Verbraucher:innen bewusster darauf, wo sie ihr Geld ausgeben. Diese Entwicklung kommt auch unabhängigen Buchhandlungen zugute. Andy Hunter, Gründer und CEO von Bookshop.org, beobachtet einen positiven Trend: „Menschen engagieren sich zunehmend für Buchhandlungen als kulturelle Kraft. In den USA gibt es heute etwa 70 % mehr unabhängige Buchhandlungen als vor sechs Jahren – nach zwei Jahrzehnten des Rückgangs erleben sie ein kräftiges Comeback.“

Die Ursprünge des Independent Bookstore Day

Der Independent Bookstore Day begann 2012 als lokale Veranstaltung in Kalifornien, initiiert von der Autorin und Herausgeberin Samantha Schoech. Mit der Zeit entwickelte er sich zu einem wichtigen finanziellen Rettungsanker für Buchhandlungen. „Buchhandlungen haben schwache Phasen, und es ist nicht einfach, das ganze Jahr über zu überleben“, erklärt Hunter. „Sie sind kein hochmargiges Geschäft, sondern ein Geschäft mit hoher emotionaler Bindung.“

Was Besucher:innen am Independent Bookstore Day erwartet

Der Tag steht ganz im Zeichen der Literatur und Gemeinschaft. In vielen Buchhandlungen herrscht eine festliche Atmosphäre mit:

  • Sondereditionen und limitierten Büchern
  • Autorenlesungen und Signierstunden
  • Exklusivem Merchandise
  • Rabatten oder Giveaways
  • Persönlicher Beratung durch engagierte Buchhändler:innen

In San Diego organisieren lokale Buchhandlungen sogar einen „Buchladen-Hopping“-Event: Teilnehmer:innen sammeln Stempel in einem Pass und können so Preise gewinnen. Auch Andy Hunter nimmt teil – er plant einen Besuch in seinen Lieblingsbuchhandlungen in Brooklyn, darunter Word und Greenlight. Christine Onorati, Gründerin von Word, ist nicht nur eine enge Freundin, sondern inspirierte ihn auch zur Gründung von Bookshop.org.

Bookshop.org: Ein Rettungsring für unabhängige Buchhandlungen

Hunter gründete Bookshop.org im Januar 2020, um unabhängigen Buchhandlungen durch E-Commerce eine Überlebenschance zu geben. „Ich habe miterlebt, wie die Hälfte aller Buchhandlungen in den USA schließen musste, während Amazon wuchs“, sagt er. „1995, ein Jahr nach Amazons Gründung, gab es über 5.000 Buchhandlungen im American Booksellers Association-Verzeichnis. Bis 2019 war diese Zahl auf 1.889 gesunken – mehr als die Hälfte war verschwunden.“

Die Pandemie beschleunigte das Wachstum von Bookshop.org rasant. „Hätten wir auch nur einen Monat gewartet, hätten wir den Unterschied nicht machen können, als die Lockdowns begannen“, betont Hunter. „Viele Buchhandlungen, die zuvor nur vor Ort verkauften, konnten plötzlich auch online überleben.“

„Buchhandlungen sind kein hochmargiges Geschäft, sondern ein Geschäft mit hoher emotionaler Bindung.“ – Andy Hunter, Gründer von Bookshop.org