Die Pleite von Party City hat eine Lücke im Einzelhandel hinterlassen: Tausende Kunden suchten plötzlich nach einer neuen Anlaufstelle für Partybedarf, Ballons und Dekoration. Doch statt einer Krise nutzten zwei völlig unterschiedliche Händler die Gelegenheit – und starten nun einen Wettbewerb um die Gunst der Feierwilligen.
Der Bastelladen Michaels und der Büroausstatter Staples setzen auf gegensätzliche Strategien, um die Nachfrage zu bedienen. Während Michaels sein Sortiment massiv ausbaut, setzt Staples auf eine Partnerschaft mit der insolventen Party-City-Marke.
Michaels expandiert mit „The Party Shop“ und neuen DIY-Erlebnissen
Bereits im September 2025 führte Michaels das Konzept The Party Shop at Michaels ein – eine in-store Abteilung, die Partybedarf, Ballons und Dekoration direkt neben Bastelutensilien anbietet. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter: Bis Ende 2026 sollen rund 600 neue Produkte ins Sortiment aufgenommen werden, darunter Piñatas, lizenzierte Artikel mit Figuren wie Hello Kitty oder Bluey sowie ganzjährige Party- und Geschenkartikel.
Doch Michaels setzt nicht nur auf neue Ware. Das Unternehmen führt in Nordamerika DIY-Customizing-Stationen ein, die Kunden ein interaktives Einkaufserlebnis bieten:
- Das Favor-Bar: Kunden können individuelle Partygeschenke zusammenstellen.
- Die Candy-Bar: Hier lassen sich Süßigkeiten für Tüten oder Desserttische arrangieren.
- Die DIY-Banner-Bar: Personalisierte Felt-Banner mit Zahlen, Buchstaben und Motiven können selbst gestaltet werden.
- Geschenkpapier-Station: Fünf Artikel (z. B. Geschenkbänder, Tüten oder Geschenkpapier) gibt es für nur 5 US-Dollar zum Mixen.
„Bei Michaels beginnt die Freude am Feiern schon beim Planen“, erklärt David Boone, CEO von Michaels. „Mit diesen Erlebnissen machen wir das Einkaufen zum Teil des Festes.“
Staples setzt auf Shop-in-Shop mit Party City
Während Michaels auf Eigeninitiative setzt, geht Staples einen anderen Weg: Der Büroausstatter kooperiert mit der insolventen Party-City-Marke und plant, in über 700 Filialen „Party City at Staples“-Shop-in-Shops einzurichten. Damit übernimmt Staples Teile des Sortiments und der Markenidentität von Party City – eine ungewöhnliche Allianz zwischen einem Bürobedarfshändler und einem Party-Spezialisten.
„Diese Partnerschaft ermöglicht es uns, unseren Kunden ein erweitertes Sortiment anzubieten, ohne eigene Lagerkapazitäten aufbauen zu müssen“, so ein Sprecher von Staples. Die Shop-in-Shops sollen bereits in den kommenden Monaten in ausgewählten Filialen starten.
Shop-in-Shops als Erfolgsmodell: Warum weniger mehr ist
Sowohl Michaels als auch Staples setzen auf das Shop-in-Shop-Konzept, um ihr Angebot zu erweitern, ohne neue Filialen zu eröffnen. Michaels nutzt dies bereits seit Jahren erfolgreich: Neben „The Party Shop“ führte das Unternehmen 2024 „The Knit Sew Shop ein – eine Abteilung mit Näh- und Strickutensilien in Zusammenarbeit mit Joann. Nach der Insolvenz von Joann übernahm Michaels 2025 dessen Markenrechte und Sortimente.
Dieses Modell bietet mehrere Vorteile:
- Kosteneffizienz: Keine zusätzlichen Mietkosten für neue Standorte.
- Zielgruppen-Erweiterung: Durch neue Produktkategorien werden auch Kunden angesprochen, die bisher nicht im Sortiment waren.
- Flexibilität: Sortimente können schnell angepasst oder erweitert werden.
Beide Unternehmen – Michaels und Staples – sind nach Börsenrückzügen in Privatbesitz übergegangen. Michaels wurde 2019 von Apollo Global Management übernommen, Staples gehört seit 2017 zu Sylvan LLC.
Fazit: Die Pleite von Party City hat nicht nur eine Marktlücke geschaffen, sondern auch neue Dynamiken im Einzelhandel ausgelöst. Während Michaels auf Innovation und Erlebnis setzt, nutzt Staples die Chance zur strategischen Partnerschaft. Die Kunden profitieren – und der Wettbewerb um die Party-Szene wird härter.