Ein Remote-Job, der vor Ort zu erledigen ist? Was wie ein Widerspruch klingt, wirbt das US-Unternehmen Inno Supps auf LinkedIn mit einer Stellenausschreibung, die für Empörung sorgt. Die Anzeige für eine Position als Senior Copywriter war zwar als remote gekennzeichnet, doch im Kleingedruckten stand: „Bewerben Sie sich nur, wenn Sie bereit sind, langfristig vor Ort in Henderson, Nevada, zu arbeiten.“

Die Formulierung „Während diese Stelle als ‚remote‘ für mehr Sichtbarkeit gelistet ist, handelt es sich um eine Präsenzstelle mit Büropflicht.“ sorgte für scharfe Kritik. Inno Supps nutzte offenbar die hohe Nachfrage nach Remote-Jobs aus, obwohl das Angebot selbst nicht remote war. Eine aktuelle LinkedIn-Studie zeigt, dass die Zahl der Bewerber, die ausschließlich nach Remote-Positionen suchen, zwar stabil bleibt, die Anzahl verfügbarer Stellen jedoch sinkt, da immer mehr Unternehmen auf Präsenzarbeit setzen.

Empörung in sozialen Medien

Ein Screenshot der umstrittenen Stellenausschreibung verbreitete sich rasant auf X (ehemals Twitter) und erreichte innerhalb kurzer Zeit 2,3 Millionen Aufrufe. Nutzer warfen dem Unternehmen vor, mit falschen Angaben Vertrauen zu verspielen.

„Wir haben Sie in der Stellenausschreibung angelogen, aber vertrauen Sie uns – es wird nie wieder vorkommen.“
kommentierte ein User sarkastisch. Andere wiesen darauf hin, dass unehrliche Stellenausschreibungen auch unaufrichtiges Verhalten seitens der Bewerber fördern könnten:
„Wenn die HR-Abteilung schon bei der Stellenausschreibung lügt, warum sollte ich dann in meinem Lebenslauf ehrlich sein?“

Viele verglichen die Praxis mit Clickbait und zogen Parallelen zu absichtlich irreführenden Angaben:

„Stellen Sie sich vor, die Gehaltsangabe lautete ‚1.000.000 Dollar‘ für mehr Sichtbarkeit – tatsächlich wären es aber nur 10.000 Dollar.“

Inno Supps hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Stellenausschreibung nimmt derzeit keine Bewerbungen mehr an, doch die Kritik in sozialen Medien hält an – auch gegenüber anderen offenen Positionen des Unternehmens.

Grauzone bei LinkedIn-Richtlinien

Fraglich ist, ob die Ausschreibung gegen die Richtlinien von LinkedIn verstößt. Laut den offiziellen LinkedIn-Jobrichtlinien müssen Stellenausschreibungen „den Hauptstandort der Stelle sowie alle Anforderungen an Umzug oder Reisetätigkeiten klar erkennbar enthalten“. Verstöße sollen nach Prüfung entfernt werden. Allerdings könnte Inno Supps’ Anzeige in einer Grauzone liegen, da der tatsächliche Standort zwar im Text, nicht aber in der Überschrift genannt wird. Gleichzeitig widerspricht sich die Ausschreibung selbst, was gegen die Regel verstoßen könnte, dass Stellenanzeigen „wahre, genaue und vollständige Informationen enthalten müssen“.

LinkedIn wurde von Fast Company um Stellungnahme gebeten, ob die Anzeige gegen die Richtlinien verstößt. Eine offizielle Antwort steht noch aus. Die Diskussion zeigt jedoch, wie sensibel das Thema Transparenz bei Stellenausschreibungen ist – besonders in Zeiten, in denen Remote-Jobs für viele Arbeitssuchende eine hohe Priorität haben.