Richard Pan ist es gewohnt, mit Blut umzugehen. Als Kinderarzt war er darauf vorbereitet. Doch anders als viele seiner Kollegen musste er sich bereits mit absurden Protestformen auseinandersetzen: Menstruationsblut wurde ihm ins Gesicht geschleudert, er wurde auf offener Straße angegriffen – live im Internet übertragen. Rassistische Memes verglichen ihn mit asiatischen Diktatoren, Demonstranten trugen T-Shirts mit seinem Gesicht, das in Blut getränkt war. Dazu kamen unzählige Morddrohungen. Und das alles, obwohl er sich nur für eine Sache einsetzte: strikte Impfpflicht für Kinder.

Die Wurzel des Hasses: Kaliforniens Impfgesetze

Der Grund für die wütenden Reaktionen liegt in Pans politischer Vergangenheit. Als Mitglied des kalifornischen Senats trieb er einige der strengsten Impfgesetze der USA voran. 2015 setzte er durch, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr aus „persönlichen Überzeugungen“ von der Schulimpfpflicht befreien können. Vier Jahre später folgte ein Gesetz gegen gefälschte Impfausnahmen – trotz massiver Proteste, die sogar das Parlament lahmlegen sollten.

„Sie brachten die Milizen ins Kapitol“, erinnert sich Pan. „Ich kann sagen, ich habe Robert F. Kennedy Jr. zweimal getroffen – und beide Male gewonnen.“

Ruhe inmitten des Sturms

Leah Russin, eine Mutter, die sich für höhere Impfquoten in kalifornischen Schulen einsetzte, arbeitete eng mit Pan zusammen. Sie beschreibt die Sitzungen als chaotisch: Anti-Impf-Aktivisten brüllten ins Mikrofon, religiöse Führer verfluchten die Gesetzgeber – doch Pan blieb gelassen. „Es war, als würde das Meer gegen eine Mauer schlagen, ohne sie zu beschädigen“, sagt Russin.

2019 eskalierte die Situation: Blutwürfe, körperliche Angriffe. „Das war der Beginn der sogenannten MAHA-Bewegung“, erklärt Russin. Pan überstand diese „Feuerprobe“ unbeschadet. Mit 60 Jahren, graumeliertem Haar, sitzt er heute in einem blauen Oxford-Hemd vor dem Interview. Gewalt gegen ihn? „Wenn jemand zur Gewalt greift, hat er schon verloren“, sagt er gelassen.

Vom Senat zurück in den Ring

Nach vier Jahren im kalifornischen Abgeordnetenhaus und zwölf Jahren im Senat beendete Pan seine politische Karriere – zumindest vorübergehend. Er kehrte an die UC Davis School of Medicine zurück, um zu lehren. Doch die wachsende Macht der Anti-Impf-Bewegung, angeführt von Robert F. Kennedy Jr., zwang ihn zur Rückkehr. Seine Expertise in Impfwissenschaft und seine jahrelange Erfahrung im Umgang mit Impfgegnern machen ihn zu einem der wenigen Politiker, die dieser Bewegung fundiert entgegentreten können.

Warum Pan der richtige Mann für den Kongress ist

Pans unerschütterliche Haltung und sein Fachwissen sind in Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien gefragter denn je. Während andere Politiker vor der Hetze zurückweichen, setzt er auf Fakten – und bleibt dabei stets ruhig. „Wenn du argumentativ verlierst, greifst du zur Gewalt“, sagt er. Eine Haltung, die ihn zum Symbol für sachliche Debatten in einer polarisierten Zeit macht.