Gewerkschaften setzen KI-Regeln in Tarifverträgen durch
Die Gewerkschaft der CBS News 24/7-Mitarbeiter hat diese Woche einen dreijährigen Tarifvertrag mit wegweisenden KI-Schutzklauseln unterzeichnet. Darin enthalten sind Vorgaben zur Transparenz bei neuen generativen KI-Systemen sowie das Recht der Mitarbeiter, ihre Urheberschaft bei KI-generierten Inhalten zu verweigern.
„Die CBS News 24/7-Einheit zeigte eine unerschütterliche Solidarität, die ihnen den stärksten Vertrag einbrachte, den diese Einheit je erhalten hat.“
Beth Godvik, Vizepräsidentin der WGA East für den Bereich Broadcast/Cable/Streaming
Godvik betonte, dass die Vereinbarung „bedeutende Schutzmaßnahmen“ enthalte, die „Jahre überdauern“ werden.
KI wird zum zentralen Thema in Medien-Tarifverhandlungen
Der CBS-Deal folgt auf die Proteste von ProPublica-Mitarbeitern, die diesen Monat für bessere KI-Regelungen in ihrem neuen Tarifvertrag streikten. Auch bei der New York Times steht KI im Fokus der laufenden Verhandlungen. Experten gehen davon aus, dass KI in Zukunft in allen Medien-Tarifverträgen thematisiert werden wird.
Jon Schleuss, Präsident der NewsGuild-CWA, erklärte gegenüber TheWrap:
„Ich glaube, dass jeder Medien-Tarifvertrag in Zukunft künstliche Intelligenz erwähnen wird.“
KI als Werkzeug – und als Risiko
KI wird bereits erfolgreich eingesetzt, etwa zur Auswertung großer Gesetzesdatenbanken oder der Epstein-Akten. Gleichzeitig nutzen immer mehr Journalisten KI in ihrem Arbeitsalltag. Doch einige Redaktionen setzen Tools ein, die Artikel automatisch generieren oder Effizienz steigern sollen – was bei Mitarbeitern auf Kritik stößt.
So berichtete Corbin Bolies diese Woche über Bedenken in McClatchy-Zeitungen wie dem Miami Herald und Charlotte Observer. Dort sorgt ein neuer „Content Scaling Agent“ für Unruhe, da Mitarbeiter Jobverluste und einen weiteren Vertrauensverlust in den Medien fürchten.
Gewerkschaften fordern Schutz vor unregulierter KI
Schleuss wies darauf hin, dass Gewerkschaften bereits seit Jahrzehnten mit technologischen Veränderungen konfrontiert sind – etwa bei Verhandlungen über Computernutzung in den 1980er und 1990er Jahren. Doch seit dem Launch von ChatGPT Ende 2022 hat sich die Debatte beschleunigt. Während KI nicht das einzige Thema in Tarifverhandlungen ist, fordern Mitarbeiter nun konkrete Schutzmaßnahmen.
Laut Schleuss wurden seit 2023 bereits über 70 Tarifverträge mit KI-Bezug abgeschlossen. Da es auf Bundesebene kaum Regulierungen gibt, betonte er:
„Die einzige Möglichkeit, KI zu regulieren, ist am Arbeitsplatz.“
Ein aktuelles Beispiel für die Kollision von KI und Medien ist der Kauf des Tech-Chat-Shows TBPN durch OpenAI. Gleichzeitig formieren sich in Redaktionen landesweit Proteste für faire KI-Regeln. So hielten Mitglieder der New York Times Guild bei einer Betriebsversammlung Plakate mit Forderungen wie „Fair Wages“ und „Real A.I. Guard Rails“ hoch.
Hintergrund: KI in Medien – Chancen und Gefahren
- Chancen: KI hilft bei der Auswertung großer Datenmengen, beschleunigt Recherchen und ermöglicht neue journalistische Formate.
- Gefahren: Automatisierte Inhalte gefährden die Qualität, führen zu Jobverlusten und untergraben das Vertrauen der Leser in Medien.
Während einige Verlage KI als Effizienzbooster nutzen, warnen Gewerkschaften vor unkontrollierter Nutzung. Die Forderungen der Mitarbeiter zielen auf Transparenz, Mitbestimmung und Schutz vor Entlassungen ab.