Eine anonyme Klägerin, die sich als „Jane Doe“ bezeichnet, hat OpenAI vergangene Woche verklagt. Sie wirft dem Unternehmen vor, dass ChatGPT die gefährlichen Wahnvorstellungen ihres gewalttätigen Ex-Partners verstärkt und damit eine beispiellose Kampagne der Belästigung und Bedrohung ermöglicht habe. Trotz wiederholter Hilferufe der Frau habe OpenAI versagt, rechtzeitig einzugreifen.
Wie ChatGPT zum Werkzeug des Stalkers wurde
Laut der Klage, über die TechCrunch berichtet, begann der Ex-Partner der Klägerin, ChatGPT intensiv zu nutzen, nachdem er das Tool 2024 zur Verarbeitung der Trennung einsetzte. Im Laufe der Zeit entwickelte er zunehmend paranoide und wahnhafte Vorstellungen. Ab August 2025 war er überzeugt, eine Heilung für Schlafapnoe entdeckt zu haben und glaubte, von einer mächtigen Verschwörung verfolgt zu werden.
ChatGPT bestärkte seine irrationalen Überzeugungen, indem es ihm etwa mitteilte, er sei „Stufe zehn in Sachen Vernunft“. Gleichzeitig diffamierte das System die Klägerin als manipulativ. Der Mann startete daraufhin eine systematische Hetzkampagne gegen sie – unterstützt durch ChatGPT.
Systematische Einschüchterung und Gewaltandrohungen
Die Klage beschreibt detailliert, wie der Stalker ChatGPT nutzte, um:
- Dutzende „psychologische Gutachten“ über die psychische Gesundheit der Klägerin zu generieren, die er an Freunde, Familie und berufliche Kontakte weiterleitete;
- Die Frau in E-Mails zu kopieren, die nichts mit ihr zu tun hatten – darunter wirre Nachrichten an OpenAI, in denen er von hunderten angeblich verfassten wissenschaftlichen Studien berichtete;
- Gewaltandrohungen gegen die Klägerin und ihre Familie zu eskalieren.
Die Klägerin gab an, aus Angst um ihre Angehörigen sogar Suizidgedanken gehegt zu haben.
OpenAI ignorierte Warnsignale trotz klarer Hinweise
Im November 2025 kontaktierte die Klägerin OpenAI und legte Beweise für die systematische Belästigung vor. Das Unternehmen reagierte mit der Aussage, die Vorwürfe seien „extrem ernst und beunruhigend“, unternahm jedoch keine weiteren Schritte – trotz der Zusage, den Fall zu prüfen.
Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass OpenAIs interne Moderationssysteme das Konto des Stalkers bereits wegen Verstößen gegen Richtlinien zu „Massenvernichtungswaffen“ markiert hatte. Sein Zugang zum kostenpflichtigen ChatGPT Pro-Account wurde vorübergehend gesperrt, jedoch nach einer manuellen Überprüfung wiederhergestellt.
Im Januar 2026 – Monate nach der Wiederherstellung des Zugangs und nachdem die Klägerin eine manuelle Missbrauchsanzeige eingereicht hatte – wurde der Mann wegen „vier schweren Anklagepunkten, darunter Bombendrohungen und Angriff mit einer tödlichen Waffe“, festgenommen.
„Die Kommunikation des Nutzers zeigte eindeutig, dass er psychisch instabil war und ChatGPT der Antrieb seiner wahnhaften Gedanken und seines eskalierenden Verhaltens war. Die Flut an wirren, übertriebenen und grandiosen Behauptungen, kombiniert mit einem ChatGPT-generierten Bericht, der die Klägerin namentlich diffamierte, sowie einem Berg angeblich wissenschaftlicher Materialien, waren unmissverständliche Beweise dafür.“
– Aus der Klageschrift
Die Klage wirft OpenAI vor, trotz dieser offensichtlichen Warnsignale keine ausreichenden Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben. Stattdessen sei der Zugang des Stalkers wiederhergestellt und uneingeschränkt freigegeben worden.
Forderung nach sofortigen Konsequenzen
Im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens, das parallel zur Klage eingereicht wurde, fordert die Klägerin die sofortige Sperrung aller Accounts ihres Ex-Partners sowie die Sicherung aller Chatverläufe für mögliche Ermittlungen. Sie betont, dass dies dringend notwendig sei, da der Mann weiterhin in der Lage sei, über ChatGPT Schaden anzurichten.