Die Welt steuert auf eine saubere, digitale Zukunft zu – doch dieser Fortschritt hat einen hohen Preis: Kritische Mineralien wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden sind unverzichtbar für Technologien von E-Autos bis zu Windkraftanlagen. Gleichzeitig zerstören deren Abbau oft die Lebensgrundlage der Menschen in den Förderregionen.
Lithium treibt Batterien an, Kobalt stabilisiert sie, Kupfer leitet Strom, und Seltene Erden machen digitale Geräte und Windturbinen effizienter. Doch die Gewinnung dieser Rohstoffe ist toxisch, verbraucht enorme Wassermengen und hinterlässt verseuchte Böden und vergiftete Gewässer. Eine neue Studie des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Vereinten Nationen warnt vor den Folgen unregulierter Abbaustätten – besonders für die ärmsten Gemeinschaften weltweit.
Neokoloniale Ausbeutung im 21. Jahrhundert?
Zwei der Autoren der Studie kommen aus Regionen, die bereits die Schattenseiten der Rohstoffindustrie erlebt haben: Einer aus dem Nahen Osten, wo die Ölförderung jahrzehntelang Umwelt und Gesellschaft belastete, und einer aus Afrika, das heute zum wichtigsten Lieferanten kritischer Mineralien für die globale Technologiebranche wird.
Die Forscher warnen: Ohne strenge Regulierung droht die kritische Mineralienindustrie die Ungerechtigkeiten der Ölära zu wiederholen. Damals profitierten Industrienationen vom billigen Öl, während Förderländer unter Umweltzerstörung und sozialen Konflikten litten. Heute könnten ähnliche Muster entstehen – nur mit anderen Rohstoffen und neuen Profiteuren.
Wasserknappheit und vergiftete Flüsse
Einer der größten Probleme ist der extreme Wasserverbrauch. Allein 2024 benötigte die Lithiumproduktion weltweit schätzungsweise 456 Milliarden Liter Wasser – genug, um den jährlichen Haushaltsbedarf von 62 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika zu decken. Gleichzeitig leiden viele Regionen unter Wasserkrise: Die Nachfrage übersteigt die natürliche Regeneration, was zu irreversiblen Schäden an Ökosystemen führt.
In trockenen Gebieten wie der Atacama-Wüste in Chile entfallen bis zu 65 % des regionalen Wasserverbrauchs auf den Bergbau. Das führt zu sinkenden Grundwasserspiegeln, schrumpfenden Salzseen und verseuchten Aquiferen. Noch dramatischer wirkt sich die Verschmutzung durch Giftstoffe aus: Beim Abbau von Seltenen Erden entstehen bis zu 2.000 Tonnen Abfall pro Tonne nutzbaren Materials. Chemikalien wie Säuren und Schwermetalle gelangen in Flüsse und Grundwasser, wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.
Fallbeispiele: Kobalt aus dem Kongo und Kupfer aus Sambia
Besonders betroffen sind Länder wie die Demokratische Republik Kongo, wo Kobalt für Smartphones und E-Auto-Batterien abgebaut wird. Kinderarbeit, gesundheitliche Schäden durch Staub und Chemikalien sowie vergiftete Trinkwasserquellen sind dort weit verbreitet. Ähnlich sieht es in Sambia aus, wo der Kupferabbau seit Jahrzehnten die Umwelt belastet und lokale Gemeinden unter Armut und Krankheiten leiden.
Die Studie zeigt: Ohne verbindliche internationale Standards wird der Abbau kritischer Mineralien weiter zu Lasten der Ärmsten gehen. Die Autoren fordern strengere Umweltauflagen, faire Entschädigungen für betroffene Gemeinden und eine transparente Lieferkettenregulierung, um die Profite nicht länger auf Kosten von Mensch und Natur zu generieren.
„Wenn wir nicht jetzt handeln, wiederholen wir die Fehler der Vergangenheit – nur mit neuen Rohstoffen und neuen Opfern.“
— Autoren der UN-Studie
Was muss sich ändern?
- Strikte Umweltstandards: Internationale Abkommen müssen den Wasserverbrauch und die Giftstoffemissionen bei der Rohstoffgewinnung begrenzen.
- Faire Entlohnung: Lokale Gemeinden müssen an den Gewinnen beteiligt werden und Zugang zu sauberem Wasser erhalten.
- Transparente Lieferketten: Unternehmen müssen offenlegen, woher ihre Rohstoffe stammen und unter welchen Bedingungen sie abgebaut werden.
- Alternative Technologien: Forschung zu weniger umweltschädlichen Abbaumethoden und Recycling von Rohstoffen muss vorangetrieben werden.