Die Vision von autonomen Fahrzeugen ist faszinierend – doch die Realität zeigt: Die Technologie allein macht noch keine kostendeckende Flotte. Zwei erfahrene Unternehmer aus der Mobilitätsbranche haben nun eine Lösung entwickelt, die das Potenzial hat, die Wirtschaftlichkeit von Robotaxis grundlegend zu verändern.

Von E-Scootern zu autonomen Fahrzeugen

George Kalligeros, ehemaliger Tesla-Ingenieur und griechischer Autobegeisterter, und Dan Keene, britischer Business-Stratege, blicken auf eine gemeinsame Erfolgsgeschichte zurück: Ihr Startup Pushme Bikes, ein Batterie-Wechselsystem für geteilte E-Scooter und E-Bikes, wurde 2020 für 600 Millionen US-Dollar an den deutschen Anbieter Tier Mobility verkauft. Das Netzwerk bedient heute über 5.000 Standorte in 40 Städten weltweit.

Mit ihrer neuen Unternehmung Aseon Labs übertragen die Gründer ihre Expertise nun auf die autonome Fahrzeugbranche. Das in Redwood City, Kalifornien, ansässige Startup wurde von Y Combinator unterstützt und stellt heute sein innovatives Servicemodell vor.

Das Problem: Hohe Betriebskosten bremsen die Skalierung

Während Unternehmen wie Waymo bereits Robotaxis in mehreren US-Städten einsetzen und bis 2035 einen globalen Markt von 415 Milliarden US-Dollar prognostizieren, kämpft die Branche mit massiven Betriebskosten. Laut Kalligeros sind autonome Flotten bis zu 44 Prozent ihrer Fahrten ohne Passagiere unterwegs. Gleichzeitig steht ein Drittel der Fahrzeuge zu jedem Zeitpunkt still – etwa für Wartung, Reinigung oder Aufladung in zentralen Depots, die oft 10 bis 15 Meilen entfernt liegen.

„Die Fahrzeuge sind bis zu zwei Stunden pro Servicegang offline. Die meisten Einnahmen fließen in Ladevorgänge, Wartung und Versicherung – noch bevor Teleoperations oder andere Kosten berücksichtigt werden“, erklärt Kalligeros. „Aktuell ist das Geschäftsmodell nicht profitabel.“

Aseon Labs: Dezentrale Service-Pods als Lösung

Aseon Labs setzt auf ein Netzwerk automatisierter, lokaler Service-Pods, die direkt in den Betriebsgebieten der Flotten platziert werden. Diese kompakten Stationen übernehmen autonom das Laden, Reinigen und Inspizieren der Fahrzeuge – und das in einem einzigen Parkplatz. Die Pods lassen sich ohne aufwendige Bauarbeiten installieren und können an Tankstellen, Parkplätzen, Bürogebäuden oder sogar Straßenrand-Infrastrukturen betrieben werden.

Die Vorteile des Systems sind laut Unternehmensangaben enorm:

  • Kostensenkung: Bis zu 50 Prozent geringere Wartungskosten durch den Wegfall langer Fahrten zu zentralen Depots.
  • Weniger Ausfallzeit: Reduzierung der Offline-Zeiten um 65 Prozent.
  • Mehr Umsatz pro Fahrzeug: Steigerung der jährlichen Einnahmen pro Fahrzeug um über 50.000 US-Dollar.
  • Mehrwert für Betreiber: Kontinuierliche Nutzung der Ladeinfrastruktur erhöht die Einnahmen der Betreiber.

Technologie mit Zukunftspotenzial

Die Service-Pods von Aseon Labs sind mit bestehenden Ladesystemen kompatibel und nutzen künstliche Intelligenz, um Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen. „Unser Ziel ist es, die Betriebskosten so weit zu senken, dass autonome Flotten wirtschaftlich tragfähig werden“, betont Kalligeros. „Nur so kann die Technologie ihr volles Potenzial entfalten – für mehr Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit im Verkehr.“

„Selbstfahrende Autos machen heute noch keinen wirtschaftlichen Sinn. Sie verbrennen jährlich zwei bis drei Milliarden US-Dollar. Das ist kein skalierbares Modell.“
George Kalligeros, Mitgründer von Aseon Labs

Marktprognosen und Herausforderungen

Laut Goldman Sachs könnte der globale Markt für autonome Robotaxis bis 2035 auf 415 Milliarden US-Dollar wachsen – vorausgesetzt, die Betriebskosten lassen sich deutlich reduzieren. Waymo expandiert bereits in über 20 Städten und plant die Einführung in weiteren Metropolen. Doch ohne effiziente Servicelösungen wie die von Aseon Labs bleibt die Skalierung ein kostspieliges Unterfangen.

Die Gründer sind überzeugt, dass ihr Modell nicht nur die Profitabilität steigert, sondern auch die Akzeptanz der Technologie beschleunigt. „Wenn wir die Wirtschaftlichkeit nachweisen, wird die Gesellschaft autonome Fahrzeuge schneller annehmen“, so Kalligeros.