Der Independent-Film „It Ends“ von Alexander Ullom hatte nach seiner Premiere beim South by Southwest Festival (SXSW) im März 2025 zunächst keine Vertriebslösung. Das Debütwerk des Regisseurs, das eine Gruppe junger Erwachsener auf einer endlosen, purgatorischen Straße in einem Auto gefangen zeigt, erhielt zwar begeisterte Kritiken, fand aber keinen Verleiher. Doch dann änderte sich alles: Der Film landete auf der Letterboxd Video Store, einem digitalen Verleihdienst der neuseeländischen Filmplattform Letterboxd.
„Wir haben gesehen, wie der Film in der Community immer mehr Aufmerksamkeit bekam – und auch unser Journal-Team hatte ihn als einen der Favoriten für den SXSW ausgewählt“, erklärt Courtney Mayhew, Leiterin der Programmierung und Inhalte bei der Video Store. „Die Community hat diesen Film erst populär gemacht. Das war der entscheidende Impuls, nicht wir.“
Nur acht Tage nach seiner Veröffentlichung auf der Letterboxd Video Store gab der US-Verleiher Neon die weltweite Übernahme des Films für das Jahr 2026 bekannt. Zudem sicherte sich Neon bereits die Rechte an Ulloms zweitem Werk „4×4: The Event“.
„Wir sind begeistert von ‚It Ends‘ und der Reise, die der Film auf unserer Plattform hatte“, sagt George Linehan-Mitchell, Leiter der Strategie bei Letterboxd. „Wir hoffen, dass noch mehr Filme diesen Erfolg teilen können.“
Letterboxd als Game-Changer für Independent-Filme
Der Fall von „It Ends“ unterstreicht die wachsende Bedeutung von Letterboxd – einer Plattform, die mittlerweile über 28 Millionen Mitglieder zählt und oft als „Goodreads für Filme“ bezeichnet wird. Nutzer:innen teilen dort Bewertungen, Empfehlungen und Entdeckungen rund um das Medium Film.
Doch trotz des Erfolgs gibt es Fragen zur Zukunft des Unternehmens: Wie Semafor am Sonntag berichtete, prüft der kanadische Investor Tiny, der 60 % an Letterboxd hält, einen möglichen Verkauf seiner Anteile. Tiny hatte die Beteiligung 2023 für eine Bewertung von 50 Millionen US-Dollar erworben – finanziert durch eine Mischung aus Eigenkapital und Venture-Capital.
„Mit dem Wachstum von Letterboxd sind auch Interessen an unserer weiteren Entwicklung verbunden. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Informationen, die wir teilen können“, so ein Sprecher des Unternehmens. „Jede Entscheidung über die Zukunft von Letterboxd würde die Gründer einbeziehen.“
Ein Insider deutete an, dass Tiny möglicherweise verkaufen könnte, um seine Schuldenlast zu verringern. Letterboxd finanziert sich durch ein Mischmodell aus Abo-Gebühren, Werbung für Filmstudios und Affiliate-Partnerschaften mit Streamingdiensten.
Digitale Verleihplattform als Rettungsanker für Indie-Filme
Die Letterboxd Video Store, die im Dezember 2024 startete, hat sich zu einem wichtigen Zufluchtsort für Independent-Filme entwickelt, die keinen Verleiher finden. Angesichts schrumpfender Budgets kleinerer Verleiher und risikoaverser Großstudios ist ein solches Angebot dringend nötig.
Die Preise für Filme auf der Plattform orientieren sich an anderen digitalen Verleihdiensten: Filme ohne externen Vertrieb wie „It Ends“ kosten bis zu 20 US-Dollar – vergleichbar mit dem Preis für Premium-Video-on-Demand (PVOD). Nach dem Kauf können Nutzer:innen die Filme für bis zu 30 Tage streamen. Sobald der Film erstmals gestartet wird, verkürzt sich die Leihfrist auf 48 Stunden.
„Die Community ist der Schlüssel zum Erfolg unserer Plattform. Ohne ihre Unterstützung wären viele dieser Filme nie entdeckt worden.“
Courtney Mayhew, Letterboxd
Mit dem Erfolg von „It Ends“ zeigt Letterboxd, dass digitale Verleihmodelle eine echte Alternative für Filmemacher:innen sein können – besonders in einer Zeit, in der traditionelle Vertriebswege immer enger werden.