Während die US-Regierung unter der Trump-Administration den Ausbau kritischer Mineralien wie Lithium vorantreibt, werden indigene Rechte in Nevada systematisch ignoriert. Zu diesem Schluss kommt ein heute veröffentlichter Bericht von Amnesty International, der die Aussetzung aller bundesstaatlichen Genehmigungen für Lithiumbergbau in Nevada fordert.

Nevada beherbergt etwa 85 Prozent der bekannten Lithiumreserven der USA – ein Rohstoff, der für die Produktion von Elektroauto-Batterien unverzichtbar ist. Doch die geplanten Minenprojekte bedrohen nicht nur die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung, sondern auch die Umwelt durch Wasserverschmutzung und Verlust der Artenvielfalt.

„Das ist unser Land“, sagt Fermina Stevens, Mitglied des Te-Moak-Stammes der Western Shoshone und Geschäftsführerin des Western Shoshone Defense Project. „Wir sollten ein Mitspracherecht haben. Aber ich weiß, dass sie uns nicht dort haben wollen – Nevada ist reich an diesen Mineralien.“

Der Bericht von Amnesty International nimmt drei konkrete Projekte ins Visier:

  • Thacker Pass Lithium Mine: Bereits im Bau
  • Nevada North Lithium Project: In der Erkundungsphase
  • Rhyolite Ridge Lithium-Boron Project: Baubeginn für 2024 geplant

Alle drei Projekte befinden sich auf öffentlichem Land, das von den Western Shoshone und Paiute als uncediertes Territorium betrachtet wird. Laut dem Bericht verstoßen die Vorhaben gegen das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) – ein internationaler Standard, der indigenen Gemeinschaften das Recht einräumt, über Projekte auf ihrem Land zu entscheiden. Die Genehmigungsverfahren der Bundesbehörden erfüllten diese Standards jedoch nicht, so Amnesty International.

„Unternehmen müssen sich für Menschenrechte entscheiden“, betont Mark Dummett, Leiter des Bereichs Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International. „Sie dürfen nicht um jeden Preis Rohstoffe fördern, sondern müssen internationale Menschenrechtsstandards einhalten – unabhängig von nationalen Gesetzen.“

Der Bericht kritisiert zudem die Deregulierungspolitik der Trump-Administration, die beschleunigte Genehmigungsverfahren und eingeschränkte Umweltprüfungen zur Folge hatte. Dadurch werde indigenen Gemeinschaften die Möglichkeit genommen, ihre Zustimmung in vollem Umfang zu geben.

Das US-Innenministerium wies die Vorwürfe zurück: „Die klimahysterischen Aktivisten hinter diesem Bericht sind bekannt für unbegründete Anschuldigungen, die von Gerichten wiederholt zurückgewiesen wurden. Ihr Ziel ist es, die Energieproduktion zu blockieren – dabei profitiert die amerikanische Bevölkerung nachweislich davon.“ Gleichzeitig betonte die Behörde, dass die Umweltprüfungen der Bureau of Land Management umfassend seien und indigene Gruppen ausreichend eingebunden worden seien.

Nevada erlebt derzeit einen Lithium-Boom: Über 20.000 Claims wurden bereits eingereicht. Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem indigene Gemeinschaften weltweit gegen die „grüne Transition“ protestieren – die oft auf Kosten ihrer Rechte und Lebensräume geht.

Quelle: Grist