Medien als Komplizen? Ein neues Buch deckt systematische Verzerrung auf
In seinem kürzlich erschienenen Werk „How to Sell a Genocide: The Media’s Complicity in the Destruction of Gaza“ analysiert der Journalist Adam Johnson die Berichterstattung westlicher Medien während des Gaza-Kriegs. Im Gespräch mit Perry Bacon vom New Republic erklärt Johnson, wie die Presse durch Auslassungen und einseitige Darstellung die humanitäre Katastrophe verschleiert habe.
Fokus auf die ersten Kriegsmonate
Johnson konzentriert sich in seinem Buch auf den Zeitraum von Oktober 2023 bis Oktober 2024 – insbesondere auf die ersten drei bis sechs Monate. In dieser Phase, so Johnson, sei die israelische Militäroffensive bereits „zementiert“ gewesen. „Es gab Momente, in denen die internationale Empörung hätte stoppen können, was geschah“, sagt Johnson. „Die Medien spielten jedoch eine entscheidende Rolle dabei, diese Stimmen zu unterdrücken oder zu verharmlosen.“
„Liberale Medien“ als zentraler Kritikpunkt
Johnson definiert die von ihm kritisierten Medien als „klein-l-liberale“ oder „Mainstream-Medien“, die historisch demokratische Politiker unterstützen. Dazu zählt er unter anderem:
- CNN
- The New York Times
- MSNBC
- The Atlantic
- The Washington Post
„Warum nicht Fox News oder The Wall Street Journal?“, fragt Johnson rhetorisch. Seine Antwort: Diese Medien seien ohnehin nicht neutral, sondern offen israelfreundlich. Die eigentliche Problematik liege bei den vermeintlich ausgewogenen Blättern, die durch ihre Berichterstattung die israelische Darstellung unkritisch übernahmen.
Soziale Medien als Gegenöffentlichkeit
Während die traditionellen Medien die Gewalt gegen palästinensische Zivilisten – besonders Kinder – verharmlosten, zeigten soziale Plattformen wie Twitter und TikTok das wahre Ausmaß der Zerstörung. Johnson betont: „Die Menschen sahen täglich Bilder von zerbombten Krankenhäusern und getöteten Kindern. Die etablierten Medien mussten diese Realität ignorieren, um ihre eigene Erzählung aufrechtzuerhalten – besonders unter einem demokratischen Präsidenten.“
„Die Medien hatten die Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen – und sie haben versagt.“
Adam Johnson, Journalist und Autor
Kritik an der US-Politik und Medienethik
Johnson wirft den USA vor, durch ihre Unterstützung Israels eine „politische und PR-Strategie“ verfolgt zu haben, um die internationale Empörung zu dämpfen. Die Medien hätten diese Strategie durch unkritische Übernahme israelischer Narrative unterstützt. „Es ging nicht nur um Auslassungen“, so Johnson. „Es ging darum, eine bestimmte Erzählung zu verstärken – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Fakten noch hätten intervenieren können.“
Fazit: Medien als vierte Gewalt in der Krise
Das Buch von Adam Johnson wirft grundsätzliche Fragen über die Rolle der Presse in Konflikten auf. Während einige Medienhäuser die Berichterstattung über Gaza als ausgewogen verteidigen, zeigt Johnsons Analyse, wie selektive Darstellung und systematische Ausblendung von Opfern die öffentliche Wahrnehmung prägten. Die Frage bleibt: Hätte eine kritischere Berichterstattung den Verlauf des Krieges beeinflusst?