Plötzliche Prämienexplosion bei Medigap-Versicherungen
John Jaggi, ein erfahrener Versicherungsmakler aus Illinois, erlebte im August 2023 etwas Ungewöhnliches: Über 80 seiner Kunden, die alle bei Chubb eine Medicare-Zusatzversicherung abgeschlossen hatten, erhielten eine sofortige Erhöhung ihrer Prämien um 45 %. „In meinen 49 Berufsjahren als Makler habe ich noch nie erlebt, dass eine Prämie für alle Versicherten sofort und nicht erst zum Jahresende angepasst wurde“, sagte Jaggi.
Medigap-Policen decken Kosten, die von der klassischen Medicare nicht übernommen werden – etwa Selbstbehalte oder Zuzahlungen. Ohne solchen Schutz können hohe medizinische Ausgaben schnell zu einer finanziellen Belastung werden. Während eine 45 %-Erhöhung ungewöhnlich hoch war, berichten Makler zunehmend von zweistelligen Prämiensteigerungen bei Medigap-Verträgen. Ein Chubb-Sprecher blieb auf Anfrage eine Stellungnahme schuldig.
Marktüberblick: Millionen Versicherte betroffen
Rund 12 Millionen Menschen in den USA – etwa 43 % aller Medicare-Teilnehmer – besitzen eine Medigap-Police. Die restlichen Versicherten verlassen sich auf betriebliche Zusatzleistungen oder andere Absicherungen. Laut KFF haben etwa 13 % der Medicare-Teilnehmer keine zusätzliche Absicherung und sind damit im Krankheitsfall hohen finanziellen Risiken ausgesetzt.
Prämien steigen 2026 weiter an
Eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens Telos Actuarial zeigt, dass mehrere große Versicherer wie Aetna, Blue Cross Blue Shield, Cigna, Humana, Mutual of Omaha und UnitedHealthcare ihre Prämien für Plan G – die beliebteste Medigap-Option – für 2026 deutlich erhöhen wollen. Die geplanten Steigerungen liegen zwischen 12 % und über 26 %.
„Auch wenn die Daten nur einen kleinen Ausschnitt aus ausgewählten Bundesstaaten umfassen, deutet dies darauf hin, dass Versicherer ihre Prämien aufgrund steigender Schadensmeldungen anpassen müssen.“
Brett Mushett, Aktuar bei Telos Actuarial
Beispiele für massive Preissprünge
Die Prämienhöhe hängt von Faktoren wie Wohnort, Alter und gewählter Deckung ab. Für Plan G lag die durchschnittliche Monatsprämie 2023 bei 164 US-Dollar (KFF). Experten gehen von weiteren Steigerungen aus.
- Ohio: Traditionell stiegen die Prämien um 3–5 % pro Jahr. Jetzt sind es 10–15 % (Amanda Brewton, Medicare Answers Now).
- Alaska: Premera Blue Cross erhöhte die Prämien für Plan G um fast 12 %, ein anderer Anbieter um fast 13 %. Eine 65-jährige Frau zahlt nun 192 US-Dollar statt 172 US-Dollar (Patricia Mack, Alaska Insurance Benefits).
Premera Blue Cross erklärte, dass Medicare jährlich Änderungen bei Selbstbehalten und Zuzahlungen vornimmt, was sich auf die Zusatzversicherungen auswirkt. Courtney Wallace, Sprecherin des Unternehmens, betonte, dass die Prämienanpassungen notwendig seien, um die steigenden Kosten zu decken.
Fazit: Weniger Auswahl, höhere Kosten
Für Versicherte wird es zunehmend schwieriger, bezahlbare Medigap-Policen zu finden. Makler wie Jaggi und Brewton raten Kunden, frühzeitig nach Alternativen zu suchen – doch die Optionen werden knapper. Experten warnen vor weiteren Erhöhungen, sobald die neuen Tarife 2026 in Kraft treten.