„Tax the rich“ als „Hassrede“ – Milliardär Roth provoziert mit wütender Rhetorik
Die sozialen Spannungen in den USA haben eine neue Dimension erreicht. Während die Mittelschicht unter steigenden Lebenshaltungskosten leidet, melden sich Vertreter der Superreichen mit zunehmend provokanten Aussagen zu Wort. Einer der prominentesten Kritiker der Reichensteuer ist der Immobilienmogul Steve Roth, der die Forderung nach höheren Abgaben für Spitzenverdiener mit rassistischen Beleidigungen gleichsetzt.
Auf einer Quartalskonferenz seines Unternehmens Vornado Realty Trust äußerte sich Roth empört über den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Dieser hatte kürzlich eine „Pied-à-terre-Steuer“ für Zweitwohnungen ab fünf Millionen Dollar angekündigt – und dies direkt vor der Luxusimmobilie des Milliardärs Ken Griffin, dessen Penthouse in Manhattan 238 Millionen Dollar wert ist.
„Es ist schockierend, dass unser junger Bürgermeister diese Aktion vor Kens Haus inszeniert und ihn damit lächerlich macht. Das ist sowohl unverantwortlich als auch gefährlich.“
„Der Ausdruck ‚Steuer die Reichen‘ – ausgespuckt mit Wut und Verachtung von Politikern hier und im ganzen Land – ist für mich genauso verachtenswert wie rassistische Schimpfwörter oder der Slogan ‚Vom Fluss bis zum Meer‘.“
Roths Argumentation gipfelte in der Behauptung, die Superreichen seien das „Aushängeschild des amerikanischen Traums“: „Sie sind unsere größten Arbeitgeber und Philanthropen. Die obersten 1 Prozent zahlen 50 Prozent der Einkommenssteuern in New York. Sie verdienen ihren Platz an der Spitze der wirtschaftlichen Pyramide – und sollten dafür gelobt und gedankt werden.“
Kritik an Roths Aussagen: Steuerlast der Reichen im Fokus
Roths Ausführungen stießen auf massive Kritik. Denn während er sich als Opfer einer „Hasskampagne“ inszeniert, bleibt seine eigene Steuerlast ein zentraler Streitpunkt. Vornado Realty Trust zahlte ihm 2018 beispielsweise zwei Millionen Dollar an Dividenden – auf Aktien, die er noch gar nicht besaß. Solche Einkünfte unterliegen in den USA einem deutlich niedrigeren Steuersatz als reguläres Arbeitseinkommen.
Zum Vergleich: Das Medianeinkommen in New York beträgt laut Neilsberg Research im Jahr 2024 rund 79.713 Dollar. Dieses Einkommen stammt in der Regel aus Löhnen und unterliegt damit den vollen Bundes-, Landes- und Kommunalsteuern. Eine Studie der Biden-Administration aus dem Jahr 2021 zeigte zudem, dass die reichsten 1 Prozent der US-Bürger im Schnitt nur etwa 8,2 Prozent ihres Einkommens an Steuern zahlen – während Normalverdiener deutlich höhere Anteile abführen müssen.
Steuerpolitik im Spannungsfeld zwischen Gerechtigkeit und Realität
Roths Position spiegelt die wachsende Polarisierung in der US-Steuerdebatte wider. Während Politiker wie Mamdani höhere Abgaben für Superreiche fordern, argumentieren Kritiker wie Roth, dass solche Maßnahmen die Wirtschaft schädigen könnten. Gleichzeitig zeigen Daten, dass die Steuerlast für Milliardäre wie ihn oft minimal ist – trotz ihres enormen Vermögens.
Die Diskussion um die „Pied-à-terre-Steuer“ in New York ist dabei nur ein Beispiel für den wachsenden Druck auf die Politik, die wachsende Ungleichheit im Land zu bekämpfen. Ob Roths provokante Rhetorik die Debatte voranbringt oder nur weitere Gräben vertieft, bleibt abzuwarten.