Die obere Duftnote des neuen Parfüms Miami Split stammt aus einer ungewöhnlichen Quelle: einer Bananenverarbeitungsanlage in Ecuador. Dort wird das Aroma aus bananenduftendem Wasser gewonnen – einem Nebenprodukt der Fruchtwäsche, das bisher einfach entsorgt wurde. Doch für Abel Fragrance ist es eine wertvolle Ressource.

Das Unternehmen verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe und setzt stattdessen auf biotechnologisch hergestellte Duftstoffe. Fast alle Duftmoleküle in der Parfümindustrie werden bisher aus Erdöl synthetisiert, erklärt Frances Shoemack, Gründerin von Abel Fragrance. Ein typisches Parfüm besteht aus Dutzenden bis Hunderten solcher Moleküle, von denen über 95 % aus Rohöl gewonnen werden. „Sie sind günstig, leicht verfügbar und haben die moderne Parfümwelt geprägt“, so Shoemack.

Die Suche nach einem natürlichen Parfüm

Shoemack, ursprünglich Winzerin aus Neuseeland, gründete Abel Fragrance 2013 nach ihrem Umzug nach Amsterdam. Damals gab es bereits nachhaltige Alternativen für Hautpflege und Make-up, doch für Parfüms fehlten solche Optionen. „Ich suchte nach einem natürlichen, nachhaltigen Parfüm und fragte mich: Wenn niemand es tut, könnte ich es selbst schaffen – mit den richtigen Partnern?“, erinnert sie sich.

Sie arbeitete zunächst mit ätherischen Ölen, stieß dabei jedoch auf Grenzen. Viele davon verflüchtigen sich innerhalb weniger Stunden, sind schwer haltbar ohne synthetische Konservierungsstoffe und extrem teuer. Zudem sind sie chemisch komplex und schwer präzise zu dosieren. Das Team wollte eine Alternative finden, die mit erdölbasierten Duftstoffen konkurrieren kann – in Sachen Haltbarkeit und Wirkung.

Biotech als Lösung für nachhaltige Duftstoffe

Bei der Suche nach Innovationen stießen Shoemack und ihr Master-Parfümeur Isaac Sinclair auf biotechnologische Verfahren in anderen Branchen. Dabei entdeckten sie pflanzenbasierte Alternativen zu klassischen Duftmolekülen. Ein Beispiel ist Ambroxin, ein Molekül, das traditionell aus Erdöl gewonnen wird, um den Duft von Ambergris zu imitieren – eine seltene Substanz, die ursprünglich aus Pottwalen stammt. Heute lässt sich Ambroxin durch Fermentation von Pflanzenzuckern herstellen. Die chemische Struktur bleibt identisch, doch der Herstellungsprozess ist nachhaltiger.

Derzeit gibt es laut Shoemack nur etwa 100 biotechnologisch hergestellte Duftmoleküle auf dem Markt – im Vergleich zu Tausenden erdölbasierten Varianten. „Die Technologie ist noch teuer und in den Anfängen“, sagt sie. Doch durch den aktuellen Anstieg der Rohölpreise, ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, könnte sich das ändern: „Das könnte die Innovation in diesem Bereich beschleunigen.“

Abel Fragrance setzt zudem auf Isolate – extrahierte und gereinigte Verbindungen aus natürlichen Ölen wie Lavendel oder Pfefferminze. Zusätzlich sucht das Unternehmen nach einzigartigen natürlichen Duftstoffen, wie der Bananennote, die von dem Unternehmen Symrise entwickelt wurde. Symrise nutzt dabei ein energieeffizientes Verfahren zur Extraktion.

Zukunft der Parfümindustrie: Nachhaltig und innovativ

Abel Fragrance zeigt, dass es möglich ist, hochwertige Parfüms ohne fossile Rohstoffe herzustellen. Durch den Einsatz von Biotech und natürlichen Alternativen setzt das Unternehmen neue Maßstäbe in der Branche. „Wir wollen beweisen, dass Nachhaltigkeit und Luxus keine Gegensätze sein müssen“, betont Shoemack. Mit jedem neuen Duftstoff, der ohne Erdöl auskommt, wird die Vision eines umweltfreundlichen Parfüms ein Stück realistischer.