Peptide als nächster großer Wellness-Trend?

Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. setzt sich für eine Lockerung der Bundesvorschriften für Peptide ein. Das könnte einen neuen Boom auslösen – ähnlich wie bei Abnehm-Medikamenten. Doch die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit beim Menschen ist dünn.

Staatliche Regulierung im Wandel

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA plant für Juli ein Beratungstreffen, um über die Freigabe bestimmter Peptide für Apotheken zu entscheiden. Gleichzeitig wird eine Politik der Biden-Regierung aufgehoben, die Apotheken die Herstellung dieser Substanzen verbot. Betroffen sind unter anderem BPC-157, ein Peptid aus menschlichem Magensaft, das in Tierstudien zur Wundheilung eingesetzt wurde.

Marktpotenzial: Bis zu 180 Milliarden Dollar

Experten sehen enormes Wachstumspotenzial: Der Peptid-Markt könnte von aktuell 60 Milliarden Dollar auf über 180 Milliarden Dollar in fünf Jahren steigen, falls die Regeln gelockert werden. Kate Festle, Managing Director bei West Monroe, betont:

"Dieser Trend hat enormes Durchhaltevermögen, da viele Unternehmen bereits über die notwendige Infrastruktur und Mitgliedschaften verfügen."

Gewinner: Telemedizin und Anti-Aging-Kliniken

Besonders profitieren könnten Telemedizin-Anbieter wie Hims & Hers und Ro, die bereits Infrastruktur für schnelle Verschreibungen aufbauen. Michael Cherny, Analyst bei Leerink Partners, erklärt:

"Diese Unternehmen haben die Skalierung und können Therapien schnell anbieten."

Auch Luxus-Wellness- und Anti-Aging-Kliniken könnten gewinnen, da viele bereits eigene Apotheken übernommen haben, um die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren.

Risiken und Kritik

Ärzte und Wissenschaftler warnen vor den Gesundheitsrisiken. Eric Topol, Executive Vice President von Scripps Research, fordert:

"Die FDA sollte diese Peptide verbieten, Importe stoppen und Unternehmen zwingen, ordentliche Studien durchzuführen."

Kritikpunkte sind unter anderem:

  • Mögliche Krebsrisiken durch Stimulation der Hormonproduktion
  • Unklare Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Peptide
  • Fehlende Langzeitstudien zur Sicherheit

Peptide: Was steckt dahinter?

Peptide sind kurze Aminosäureketten, zu denen auch GLP-1 gehört – ein Grund, warum diese Substanzen so schnell Mainstream werden. Die direkte Vermarktung von Abnehm-Medikamenten hat Patienten bereits an die Selbstbehandlung ohne ärztliche Konsultation gewöhnt.

Fazit: Boom mit Fragezeichen

Während die Industrie auf hohe Gewinne hofft, bleibt die wissenschaftliche Grundlage fraglich. Die FDA-Entscheidung im Juli wird entscheidend sein – sowohl für Investoren als auch für Verbraucher.

Quelle: Axios