Der US-Softwarekonzern Salesforce setzt auf junge KI-Talente: Wie CEO Marc Benioff kürzlich auf X (ehemals Twitter) ankündigte, will das Unternehmen in den kommenden Monaten 1.000 neue Absolventen und Praktikanten einstellen. Diese sollen gezielt an der Entwicklung und Anwendung von KI-Systemen wie Agentforce mitwirken. Mit dem neuen Builder Program, das in das bestehende Hochschulrekrutierungsprogramm integriert ist, will Salesforce Berufseinsteiger schneller in Schlüsselpositionen wie Engineering, Produktentwicklung und Vertrieb bringen.

Bereits über 10.000 Fachkräfte wurden durch das Programm von Salesforce seit seiner Einführung eingestellt. Doch der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger bleibt angespannt: Laut einem aktuellen LinkedIn-Bericht ist die Einstellung von Berufsanfängern im Vergleich zum Vorjahr um 6 % zurückgegangen. Viele CEOs befürchten, dass KI bestehende Jobs gefährdet – besonders für Einsteiger. Salesforce hingegen sieht in der KI eine Chance und setzt auf junge Talente, die die Technologie aktiv mitgestalten.

„Die KI-native Generation, die heute in den Arbeitsmarkt eintritt, fürchtet sich nicht vor KI – sie baut sie. Unternehmen können es sich nicht leisten, zu warten, bis ihre Belegschaft den Anschluss an die KI findet. Deshalb setzen wir jetzt auf die Builder: Sie werden die Art und Weise, wie wir arbeiten, neu definieren und unser Geschäft von innen heraus verändern.“

Nathalie Scardino, Chief People Officer bei Salesforce

Die Jobsuche für Absolventen gestaltet sich zunehmend schwierig: Sie bewerben sich auf mehr Stellen, stehen aber in einem härteren Wettbewerb und müssen oft Positionen annehmen, für die sie überqualifiziert sind. Eine aktuelle Studie von ZipRecruiter zeigt, dass fast die Hälfte der befragten Berufseinsteiger (47 %) KI als Grund für ihre erschwerten Jobchancen nennen. Gleichzeitig kritisieren viele, dass Universitäten sie nicht ausreichend auf eine KI-dominierte Arbeitswelt vorbereiten: Nur 23 % der Absolventen gaben an, dass ihre Hochschule ihnen umfangreiche KI-Kenntnisse für den Beruf vermittelt habe.

Salesforce setzt nun gezielt auf Bewerber mit KI-Kenntnissen – was die Sorgen vieler Absolventen verstärken könnte, die keinen frühen Zugang zu KI-Tools hatten. Sollten weitere Unternehmen diesem Beispiel folgen, könnte sich die Kluft zwischen Bewerbern mit und ohne KI-Kenntnissen weiter vertiefen. Dies würde nicht nur jüngere, sondern auch ältere Arbeitnehmer benachteiligen.

Bereits im vergangenen Jahr gab Benioff bekannt, dass Salesforce bis zu 50 % seiner Arbeitslast durch KI erledigt. So führten KI-gestützte Kundenservice-Agenten zu Einsparungen von 100 Millionen US-Dollar an Supportkosten. In diesem Jahr weitete Salesforce zudem seine Partnerschaft mit Google Cloud aus, um KI-Agenten über beide Plattformen hinweg einsetzen zu können.

Während Salesforce KI als Treiber für Produktivität und Kostensenkung bewirbt, gab es in den letzten Jahren auch Entlassungen. Der Fokus auf KI-Talente könnte jedoch ein strategischer Schritt sein, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben – und gleichzeitig Berufseinsteigern neue Perspektiven zu eröffnen.