Sebastian Gorka, der ehemalige Antiterror-Berater der Trump-Regierung, ist eine der umstrittensten Figuren der US-Sicherheitspolitik. Während seine Kollegen in der nationalen Sicherheit eher zurückhaltend und professionell auftreten, sticht Gorka mit provokanten Aussagen und einem polarisierenden Auftreten hervor.

Mit seiner markanten, britischen Aussprache beschreibt er US-Militäroperationen gegen mutmaßliche Terroristen als Aktionen, die Gegner zu "roter Asche" zerfallen lassen und Leichen "wie Scheitholz" stapeln. Ein Anhänger von Donald Trump trägt er ein Namensschild mit der Aufschrift "WWFY WWKY" – eine Anspielung auf Trumps berühmtes Versprechen: "Wir werden euch finden und wir werden euch töten".

Doch trotz seiner provokanten Rhetorik geriet Gorka in den Hintergrund, als die Trump-Regierung in ihrem zweiten Amtsjahr mit massiven Abschiebungen und Kürzungen in Bundesbehörden für Aufsehen sorgte. Erst mit dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran im Februar dieses Jahres rückte seine Rolle wieder in den Fokus – besonders angesichts der erhöhten Terrorgefahr für amerikanische Interessen weltweit.

Aus diesem Anlass begannen die Recherchen zu Gorkas Arbeit. Über sechs Monate hinweg analysierten Journalisten seine öffentlichen Äußerungen, um Hinweise auf den Stand seiner lang angekündigten Antiterror-Strategie sowie auf tödliche US-Militäroperationen in Afrika und dem Nahen Osten zu finden. Die Ergebnisse dieser Recherche wurden im April in einer umfassenden Untersuchung der Plattform ProPublica veröffentlicht.

Die Recherche zeigt, wie Gorka in einem geschwächten Sicherheitsapparat agierte, der nach Jahren des Personalabbaus und Führungschaos kaum noch handlungsfähig war. Die Trump-Administration hatte Ressourcen zunehmend in die Migrationspolitik umgelenkt, während die Terrorismusbekämpfung an Priorität verlor.

Keine Stellungnahme – stattdessen Angriffe auf Social Media

Als ProPublica Gorka um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen bat, blieb eine Antwort aus. Stattdessen griff er den Journalisten auf der Plattform X (ehemals Twitter) an. Mit 1,8 Millionen Followern verbreitete er die Behauptung, der Reporter sei "anti-amerikanisch" und seine Arbeit ein "fauliges Stück Schmierfett".

Nach Rücksprache mit der Redaktion entschied sich ProPublica, diese Angriffe im Artikel zu erwähnen. Sie unterstrichen einmal mehr das unberechenbare Verhalten Gorkas – ein Charakterzug, den selbst ein ehemaliger hochrangiger Beamter mit den Worten "Gorka ist einfach Gorka" zusammenfasste.

Transparenz als Gegenmittel zu Desinformation

Immer häufiger sehen sich Journalisten gezwungen, Angriffe auf ihre Glaubwürdigkeit abzuwehren, indem sie ihre Recherchemethoden offenlegen. In diesem Sinne nutzte der Autor die Gelegenheit, um zu zeigen, wie grundlegende Berichterstattung – das Überprüfen von Aussagen mächtiger Personen – zu einer größeren Geschichte über den Zustand der US-Terrorismusbekämpfung in einer kritischen Phase führte.

Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über die Antiterror-Strukturen nach dem 11. September war Gorka für den Journalisten ein vertrauter, wenn auch problematischer Akteur in diesem Feld. Seine Aussagen und sein Einfluss auf die Sicherheitsbehörden werfen grundsätzliche Fragen über die Professionalität und Integrität der US-Terrorismusbekämpfung unter seiner Führung auf.

Quelle: ProPublica