In New York beraten Gesetzgeber über eine „Pied-à-terre-Steuer“ auf Zweitwohnungen im Wert von mindestens fünf Millionen Dollar. Die Maßnahme ist Teil einer wachsenden Welle von Gesetzesinitiativen, die sich gegen die Vermögenden richten. Doch nicht alle Reichen zeigen sich begeistert.
Auf einer Gewinnkonferenz dieser Woche verglich Steven Roth, Vorstandsvorsitzender des Immobilienkonzerns Vornado Realty Trust, die Rhetorik zur Besteuerung der Reichen mit Hassrede. Roth bezog sich dabei auf einen öffentlichen Streit zwischen dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani und dem Milliardär Ken Griffin, CEO des Hedgefonds Citadel. Mamdani hatte ein Video vor Griffins Luxus-Penthouse aufgenommen und darin angekündigt, die Reichen besteuern zu wollen. (Das Gebäude wurde laut „New York Times“ von Vornado entwickelt.)
„Ich muss sagen, dass ich den Satz ‚Besteuert die Reichen‘ – wenn er mit Wut und Verachtung von Politikern hier und im ganzen Land ausgesprochen wird – für genauso verletzend halte wie rassistische Beleidigungen oder die Parole ‚Vom Fluss bis zum Meer‘“, erklärte Roth in der Telefonkonferenz.
„Die Reichen, auf die Politiker zielen, haben einmal bei null angefangen und verkörpern den amerikanischen Traum“, fuhr er fort. „Sie stehen an der Spitze der wirtschaftlichen Pyramide – und das aus gutem Grund. Sie sollten gelobt und dankbar dafür sein.“
Doch die Mehrheit der US-Bürger sieht das anders: Laut einer Harris-Umfrage aus dem Jahr 2025 glauben 60 Prozent der Befragten, dass Milliardäre ihnen den sozialen Aufstieg erschweren.
Einige Reiche fordern höhere Steuern – gegen Roths Position
Nicht alle Vermögenden teilen Roths Haltung. Erica Payne, Präsidentin der Organisation Patriotic Millionaires, begrüßt den Slogan „Besteuert die Reichen“ sogar so sehr, dass sie ihn als Titel ihres Buches aus dem Jahr 2021 wählte.
„Wir sind überzeugt, dass wohlhabende Menschen wie unsere Mitglieder aus mehreren Gründen stärker besteuert werden sollten“, sagt Payne im Gespräch mit Fast Company. Die Organisation setzt sich aus Hochverdienern zusammen, die sich für progressive Steuern einsetzen, um die wachsende Ungleichheit zu verringern.
Als Gründe nennt Payne unter anderem, dass seit 1975 etwa 80 Billionen Dollar vom unteren Mittelstand in die Hände des obersten Prozents übergegangen sind. Zudem sei die extreme Vermögenskonzentration „eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie“. Studien belegen, dass wirtschaftliche Ungleichheit demokratische Systeme destabilisieren kann – stärker noch als Militärputsche, wie eine Untersuchung zeigt.
„Wer das nicht versteht – einschließlich derjenigen, die über ein solches Vermögen verfügen –, handelt gegen die Grundprinzipien unserer Selbstverwaltung“, betont Payne. „Und das sollte als oppositionell zu unserem demokratischen System gewertet werden.“
Ein weiteres Argument: „Aktuell besteuern wir die Armen – und das funktioniert offensichtlich nicht besonders gut“, so Payne.
Tatsächlich zeigen Daten, dass Milliardäre nach der Steuerreform von 2017 in den USA einen niedrigeren effektiven Steuersatz zahlten als der Durchschnittsamerikaner. Payne kritisiert Roths Aussagen scharf: Sie seien ein Zeichen von Unsicherheit – und vor allem realitätsfremd.