Die Idee klingt verlockend: Ein animierter Ableger von Stranger Things, der sich in die 80er-Jahre zurückversetzt und dabei die typische Nostalgie der Serie einfängt. Doch Netflix‘ ‚Stranger Things: Tales From ‘85‘ bleibt hinter den Erwartungen zurück. Statt freier, episodischer Geschichten, die sich wie ein modernes Pendant zu klassischen 80er-Zeichentrickserien anfühlen, setzt die Serie auf eine klassische Staffelstruktur – und verpasst damit eine einzigartige Chance.

Ein verpasster Ansatz: Warum der Titel lügt

Der Name ‚Tales From ‘85‘ suggeriert Geschichten, die sich wie lose Episoden um die Welt von Hawkins ranken. Doch statt dessen bietet die Serie eine kompakte Mini-Saison, die direkt zwischen Staffel 2 und 3 des Originals angesiedelt ist. Die Handlung folgt Mike, Dustin, Lucas, Will, Max und Eleven – diesmal mit der neuen Figur Nikki – bei einem Kampf gegen eine Variante der Upside-Down-Monster.

Für Fans des Originals mag das zunächst reizvoll klingen. Schließlich wurden die Hauptcharaktere in den späteren Staffeln oft auf Nebenhandlungen verteilt. Hier haben sie wieder mehr gemeinsame Szenen. Doch der Verzicht auf die versprochene episodische Freiheit ist enttäuschend. Warum nicht die Chance nutzen, unbekannte Charaktere oder alternative Handlungsstränge zu erkunden?

Stärken und Schwächen: Was die Serie richtig macht

Trotz der verpassten Chancen gibt es positive Aspekte:

  • Mehr Raum für die Hauptcharaktere: Figuren wie Steve, Nancy und Hopper tauchen auf, ohne in jeder Folge präsent sein zu müssen. Das gibt den jungen Protagonisten mehr Entwicklungsmöglichkeiten.
  • Neue Stimme für Nikki: Odessa A’zion verleiht der punkigen Figur Nikki eine markante Stimme – ein gelungener Einstieg für eine neue Generation.
  • Mehr Fokus auf Nebenfiguren: Max und Will erhalten mehr Aufmerksamkeit, auch wenn ihre Interaktionen oft auf Streit hinauslaufen.

Doch die Animation bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Die Charaktere wirken wie karikaturhafte Nachahmungen der Originaldarsteller, und die Synchronisation verzichtet auf die Rückkehr der Originalstimmen. Stattdessen dominieren unausgeglichene Imitationen, die den Charme der Serie nicht einfangen.

Fazit: Nostalgie ohne Überraschung

‚Stranger Things: Tales From ‘85‘ ist ein solides, aber uninspiriertes Produkt. Es bedient Fans mit vertrauten Elementen, ohne neue Wege zu gehen. Wer auf episodische Abenteuer oder kreative Freiheit hoffte, wird enttäuscht sein.‘

Die Serie bleibt damit ein optionaler Zeitvertreib – weder schlecht noch herausragend. Für Hardcore-Fans mag sie ein nettes Extra sein, doch wer auf eine frische, experimentelle Interpretation gehofft hatte, sucht vergeblich.

Quelle: The Wrap