Kira Junod arbeitete jahrzehntelang in einem der größten Werke von Lamb Weston in American Falls, Idaho – einem der weltweit führenden Hersteller von Tiefkühlprodukten wie Pommes frites. Doch anders als ihre Kollegen hatte sie nie für den Beitritt zur Gewerkschaft Teamsters gestimmt. Dennoch galt für sie automatisch der Tarifvertrag der Gewerkschaft, da Idaho zwar ein "Right-to-Work"-Bundesstaat ist, aber die Teamsters als einzige Vertretung mit der Unternehmensleitung verhandelten.
"Viele Kollegen arbeiten seit 30 oder 40 Jahren dort und sind einfach in der Gewerkschaft geblieben – ohne zu wissen, warum", sagt Junod. Erst als sie die Arbeitsbedingungen in einem nicht gewerkschaftlich organisierten Lamb-Weston-Werk in Twin Falls verglich, wurden ihr die Unterschiede bewusst: bessere Bezahlung für Nachtschichten, mehr bezahlter Urlaub und quartalsweise Boni. "Das ist quasi kostenloses Geld – warum sollte ich das nicht wollen?", fragt sie.
Doch der Weg, die Gewerkschaft loszuwerden, ist steinig. Während Streiks gegen Unternehmen wie Amazon oder Starbucks medienwirksam begleitet werden, finden Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften, die ihre Mitglieder nicht ausreichend vertreten, weniger Beachtung. Dennoch kommt es häufiger vor als vermutet: Laut Daten der National Labor Relations Board (NLRB) gab es zwischen 2016 und 2025 insgesamt 1.620 Anträge auf Gewerkschaftsaustritt. Davon richteten sich 23 Prozent gegen die Teamsters – mehr als doppelt so viele wie gegen die SEIU, die an zweiter Stelle lag. Von den 373 Anträgen gegen die Teamsters waren über 60 Prozent erfolgreich.
Ein Beispiel ist das Werk von Keurig Dr Pepper in Oshkosh, Wisconsin. Dort kritisierte ein Mitarbeiter, Ray Cotts, in einem Interview mit der Oshkosh Northwestern die schlechten Vertragsbedingungen: "Schlechter Urlaub, niedrige Löhne, mangelnde Sozialleistungen und kaum Schutzrechte – unsere Löhne lagen weit unter dem Branchendurchschnitt." Kurz darauf wurden in drei Werken des Unternehmens erfolgreiche Austrittswahlen durchgeführt.
Die hohe Zahl der Anträge gegen die Teamsters spiegelt offenbar eine wachsende Unzufriedenheit wider. Viele Arbeitnehmer fühlen sich von ihren Gewerkschaften nicht mehr ausreichend vertreten und fordern bessere Leistungen – oder gar den Austritt aus der Organisation.