Auf dem Gelände von Jackie Chesnutt in West-Texas sprudeln nur wenige Liter Öl pro Monat aus den fünf Ölquellen ihres Anwesens. Die ehemalige Ingenieurin ist überzeugt, dass die Quellen gegen staatliche Vorgaben verstoßen und stillgelegt werden müssen. Der Betreiber, die Firma CORE Petro, bestreitet dies und erklärt, bereits mit minimalen Erträgen kaum die Betriebskosten zu decken. Dennoch seien alle Quellen regelkonform.

Chesnutt ist nicht die Einzige, die unter solchen Verhältnissen leidet. Rund zwei Drittel der aktiven Ölquellen in Texas – etwa 99.000 Stück – fördern weniger als zehn Barrel pro Tag. Um als aktiv zu gelten, müssen Quellen entweder mindestens fünf Barrel über drei Monate oder ein Barrel über zwölf Monate produzieren. Viele Betreiber halten ihre Quellen mit minimaler Förderung am Laufen, statt sie stillzulegen – was bis zu zehntausende Dollar kosten kann.

Für Grundbesitzer wie Chesnutt bedeutet das: veraltete Infrastruktur, mögliche Umweltverschmutzung und ständige Belästigung durch die Anlagen. „Die Quellen auf dem Gelände fördern alle Öl“, bestätigt Sprecher Bryce Dubee von der texanischen Aufsichtsbehörde Railroad Commission.

Umweltaktivisten und Branchenkenner berichten, dass einige Unternehmen gezielt nur die Mindestmenge fördern, um Stilllegungen zu vermeiden. Eine Reform des Systems fordern sie seit Langem. In einem Bericht aus dem Jahr 2022 kritisierte die Organisation Commission Shift, dass Betreiber durch minimale Förderung die Stilllegungskosten umgehen:

„Unternehmen dürfen nicht unbegrenzt einen Teelöffel Öl oder Kubikfuß Gas fördern, nur um die Stilllegungskosten zu sparen.“

Texas hat derzeit über 159.000 inaktive Ölquellen. Geht der Betreiber pleite, werden sie zu „Waisenquellen“ – unversiegelte Altlasten, für die niemand mehr verantwortlich ist. Aktuell häuft Texas einen Rekordrückstand von über 11.000 solchen Quellen an.

Chesnutt, 69, ist eine der wenigen Grundbesitzerinnen, die sich gegen dieses System wehrt. Seit 1998 besitzt sie ein 151 Hektar großes Anwesen nahe San Angelo, das sie nach ihrer Pensionierung von einem Pharmaunternehmen mit Ziegen und Schafen bewirtschaftet. Ihre Beschwerden bei der Railroad Commission blieben erfolglos. Als letzte Maßnahme schaltete sie kurzerhand den Strom zu CORE Petros Quellen ab, da sie diese für regelwidrig hält. Die Firma wirft ihr daraufhin Vertragsbruch vor.