Der US-Energieriese Chevron hat bei der texanischen Steuerbehörde einen Antrag auf einen Steuererlass in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar gestellt. Das Geld soll den Bau eines großen Gaskraftwerks in West-Texas finanzieren – allerdings nicht für Privathaushalte, sondern für ein geplantes Datenzentrum, das möglicherweise von Microsoft genutzt wird.
Die Tochtergesellschaft Energy Forge One von Chevron reichte den Antrag beim State Comptroller’s Board ein. Ende Januar empfahl die Steuerbehörde die Genehmigung – ein Novum für Kraftwerke, die ausschließlich der Stromversorgung von Rechenzentren dienen. Im März bestätigte Chevron, dass es mit Microsoft und dem Investmentfonds Engine 1 eine exklusive Vereinbarung über die Stromlieferung geschlossen hat. Microsoft hatte zuvor zugesagt, in den Gemeinden mit Rechenzentren „einen fairen Anteil an lokalen Steuern“ zu zahlen.
Der Antrag auf Steuervergünstigung fällt in eine Zeit, in der Tech-Konzerne wie Microsoft zunehmend unter öffentlichem Druck stehen. Kritiker bemängeln die hohen Stromkosten und die lukrativen Steueranreize für Datenzentren, die einigen Bundesstaaten wie Texas jährlich über eine Milliarde Dollar kosten. Laut staatlichen Unterlagen könnte Chevron durch den Steuererlass über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 227 Millionen Dollar sparen.
Chevron betont, dass sich die Steuervergünstigungen ausschließlich auf die Stromerzeugungsanlage beziehen und nicht auf mögliche zukünftige Datenzentren. „Es gibt derzeit keine verbindliche Vereinbarung mit Microsoft“, erklärte Unternehmenssprecherin Paula Beasley. Auch Microsoft bestätigte, dass noch keine endgültigen kommerziellen Konditionen ausgehandelt wurden. „Wir befinden uns in Gesprächen mit Chevron“, so Rima Alaily, Vizepräsidentin und General Counsel für Infrastruktur bei Microsoft.
Chevron stützt seinen Antrag auf das im Jahr 2023 verabschiedete JETI-Gesetz (Jobs, Energy, Technology, and Innovation Act). Das Programm soll Unternehmen dazu motivieren, große Infrastrukturprojekte in Texas zu realisieren, indem es ihnen Steuervergünstigungen gewährt. Im Gegenzug müssen die Firmen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen schaffen. Die Höhe der Steuerbefreiung wird durch die lokalen Schulbezirke festgelegt – im Fall des Pecos-Barstow-Toyah-Schulbezirks wurde der Antrag bereits im Februar genehmigt. Da der Staat die Steuerausfälle übernimmt, entstehen dem Schulbezirk keine finanziellen Nachteile.
Laut staatlichen Dokumenten könnte das Projekt Chevron je nach Größe und Investitionssumme über zehn Jahre hinweg mehr als 227 Millionen Dollar an Steuern ersparen. Die Pläne werfen jedoch Fragen auf, ob solche Anreize für die Energieversorgung von Tech-Konzernen gerechtfertigt sind – insbesondere vor dem Hintergrund der Klimadebatte und der wachsenden Kritik an Steuervergünstigungen für Großunternehmen.