Kleine Theaterstücke haben oft ein Problem: Sie sind zu kurz, um nachhaltig zu wirken. Warum also nicht gleich zu Hause bleiben? Adam Bocks neues Stück „The Receptionist“ feierte am Donnerstag im Pershing Square Signature Center Premiere. Die Produktion von Second Stage läuft 80 Minuten – und braucht etwa 40 davon, um zum eigentlichen Skandal zu kommen.

Die sterile Büroumgebung (Bühnenbild: Dots) wird jedem bekannt vorkommen, der zu viel Zeit in einem solchen Arbeitsumfeld verbracht hat. Für viele ist diese Kulisse sofort beunruhigend. Im Zentrum steht der Empfangstresen, an dem Katie Finneran als Beverly sitzt. Sie nimmt Anrufe entgegen, kocht Kaffee und räumt nach ihrem Chef Edward (Nael Nacer) und der Kollegin Lorraine (Mallori Johnson) auf – beide haben Büros mit Türen, die sie oft geschlossen halten. Besonders aufschlussreich ist, wie Beverly mit ihrem Staubsauger die Krümel ihrer Kollegen aufsaugt: eine kleine, aber bezeichnende Geste der Kontrolle.

Doch Beverly trifft auf jemanden, der sie noch übertrifft: Martin (Will Pullen), ein Mann aus der Zentrale. Der erste Konflikt entsteht sofort – über ihre Kugelschreiber-Sammlung. Sie liegen wie welke Blumen auf ihrem makellosen Tisch. Martin will einen benutzen, Beverly behauptet, ihre Stifte würden verschwinden. Er gewinnt diese Auseinandersetzung und setzt sich mit einem ihrer „wertvollen“ Stifte hin – doch seine roten Socken (Kostüme: Enver Chakartash) verraten seine wahre Macht. Er ist der autoritäre Vorgesetzte, nicht Beverly.

Ab diesem Moment wird klar, dass Lorraine und Martin trotz Beverlys stummer Ablehnung eine Affäre beginnen wollen. Sarah Bensons Regie glänzt in dieser Dreiecksbeziehung. Doch davor und danach wirkt Finnerans übertriebene Schauspielkunst oft wie der einzige Grund, warum das Publikum nicht einschläft. „The Receptionist“ gewinnt erst an Fahrt, als Edward erwähnt, einen Kunden den kleinen Finger brechen zu müssen. Beverlys Reaktion zeigt: Solche Methoden sind in ihrem Umfeld nicht ungewöhnlich – aber auch nicht alltäglich.

Für Beverly ist ein Besuch in der Zentrale, die Martin leitet, ein Albtraum. Adam Bock lässt offen, welche Konsequenzen drohen. Doch genau das ist das Problem: Der zweite Akt wirkt wie eine verpasste Chance.

Quelle: The Wrap