Seit neun Wochen tobt ein Krieg, der eigentlich nur zwei bis drei Wochen dauern sollte. Die Berichterstattung konzentriert sich auf taktische Fragen: Wer kontrolliert die Straße von Hormuz? Wann endet der Waffenstillstand? Was plant Donald Trump als Nächstes? Doch diese Debatten lenken von der eigentlichen Frage ab: Wie konnte dieser Konflikt überhaupt entstehen?

Ein Blick aus der Vogelperspektive zeigt, dass Trump allein die Bedingungen für diesen Krieg geschaffen hat. Er allein hat das Chaos verursacht, das er anschließend als Grund für militärische Interventionen anführte. Ein Vergleich verdeutlicht die Absurdität: Stellen Sie sich vor, der Bürgermeister einer Stadt mit ethnischen Spannungen würde ein fragiles Friedensabkommen zwischen verfeindeten Gruppen für "schwach und betrügerisch" erklären. Die Spannungen eskalieren, bewaffnete Einheiten werden entsandt – und der Bürgermeister droht, die gesamte Kultur einer Minderheit zu zerstören, während er sich mit Jesus vergleicht. Gleichzeitig rechtfertigt der militärische Verantwortliche seine Aktionen mit göttlichem Segen. Genau das ist in den letzten Jahren geschehen.

Trumps fatale Entscheidung: Der Ausstieg aus dem Atomdeal

2015 verhandelten die USA unter Barack Obama gemeinsam mit fünf weiteren Nationen das Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) mit dem Iran. Das Abkommen begrenzte die Urananreicherung auf 3,67 Prozent – weit unter dem für Atomwaffen erforderlichen Niveau – und galt bis 2030. Die meisten Bestimmungen sollten sogar bereits 2025 auslaufen. Dennoch war das Abkommen ein Erfolg: Experten bestätigten, dass der Iran sich daran hielt. Es bot eine Grundlage für zukünftige Verhandlungen.

Doch Trump warf dieses Abkommen kurzerhand weg. Der JCPOA umfasste rund 160 Seiten – die Wahrscheinlichkeit, dass Trump auch nur eine Zeile las, lag bei null. Selbst die Kernfassung ohne Anhänge umfasste nur 18 Seiten. Die Chance, dass Trump auch diese 18 Seiten studierte, schätzte ein Analyst auf 0,45 Prozent. Der Grund? Das Abkommen war unter Obama ausgehandelt worden – und das reichte Trump als Grund für den Ausstieg.

Im Mai 2018 kündigte er den Deal auf und verhängte verschärfte Sanktionen. Seine Strategie der "maximalen Druckausübung" sollte den Iran in die Knie zwingen. Doch was passierte? Die anderen Unterzeichnerstaaten versuchten zwar, das Abkommen am Leben zu erhalten, doch ohne die USA war das Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Iran erhöhte umgehend seine Urananreicherung. Bis 2020 hatte das Land mehr Uran angereichert als vor dem Abkommen von 2015. Aus 3,67 Prozent wurden 60 Prozent.

Vom Diplomatie-Desaster zur militärischen Eskalation

Trumps Alleingang zerstörte nicht nur ein funktionierendes Abkommen, sondern schuf auch die Grundlage für die aktuelle Krise. Ohne JCPOA gab es keine Kontrolle mehr über Irans Atomprogramm. Die "maximale Druckpolitik" führte nicht zu Verhandlungen, sondern zu einer Spirale aus Sanktionen und Gegenmaßnahmen. Der Iran reagierte mit Provokationen – etwa durch Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormuz oder Drohnenangriffe auf saudische Ölfelder. Die USA antworteten mit Militärschlägen, etwa der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani Anfang 2020. Die Region steht seitdem am Rande eines Flächenbrandes.

Experten warnen seit Jahren vor den Folgen von Trumps Politik. Der ehemalige Außenminister John Kerry bezeichnete den Ausstieg als "einen der größten strategischen Fehler der amerikanischen Außenpolitik der letzten Jahrzehnte". Doch statt Konsequenzen zu ziehen, radikalisierte Trump seine Rhetorik weiter. Er drohte mit der "Zerstörung der iranischen Kultur" und verglich sich selbst mit Jesus – während seine Militärs ihre Aktionen als gottgewollt darstellten.

Die Lehre aus dem Desaster

Dieser Krieg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter politischer Entscheidungen. Trump hat nicht nur ein Abkommen zerstört, sondern auch das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner untergraben. Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Dilemma: Wie kann man mit einem Präsidenten umgehen, der Diplomatie durch Drohungen ersetzt und Kompromisse durch Konfrontation? Die Antwort darauf wird nicht nur über die Zukunft des Nahen Ostens entscheiden, sondern auch über die Glaubwürdigkeit der USA in der Welt.