Republikaner verlieren das Vertrauen in die NATO – Trump prägt die Debatte

Die Zweifel von Ex-Präsident Donald Trump an der NATO reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Damals schaltete er Zeitungsanzeigen, in denen er fragte, warum reiche Verbündete wie Japan oder Saudi-Arabien die USA für deren Schutz bezahlen sollten. Heute, Jahrzehnte später, bleibt seine Kritik unverändert: Die NATO sei kein verlässlicher Partner.

Trump, der sich erneut als Präsidentschaftskandidat bewirbt, stellt die Sinnhaftigkeit des Bündnisses infrage. Kürzlich deutete er an, ein Austritt der USA aus der NATO zu prüfen. Seine Begründung: „Die NATO war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen.“

Sinkende Zustimmung – besonders bei Republikanern

Eine aktuelle Studie des Pew Research Center zeigt einen deutlichen Rückgang der Unterstützung für die NATO unter republikanischen Wählern. 60 Prozent der Republikaner glauben mittlerweile, dass die USA kaum oder gar keinen Nutzen aus der Mitgliedschaft ziehen – ein Anstieg um 11 Prozentpunkte seit 2025. Noch 2022 unterstützten 55 Prozent der Republikaner die NATO. Bei den Demokraten bleibt die Zustimmung mit 82 Prozent stabil.

Der allgemeine Rückgang der Unterstützung in der US-Bevölkerung von 71 Prozent (2021) auf 59 Prozent heute ist vor allem auf die republikanische Wählerschaft zurückzuführen. Experten sehen einen direkten Zusammenhang mit Trumps anhaltender NATO-Kritik.

Wer trägt die Hauptlast der NATO-Verteidigung?

Während die Skepsis wächst, bleibt die USA der mit Abstand größte Beitragszahler des Bündnisses. Im Jahr 2024 entfielen 60 Prozent der gesamten NATO-Verteidigungskosten auf die USA – obwohl ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung der Allianz bei nur 52 Prozent lag. Zum Vergleich: 2020 lag der US-Anteil an den Verteidigungsausgaben noch bei 71 Prozent, obwohl ihr BIP-Anteil damals bei 53 Prozent lag. Seitdem sind Finnland und Schweden der NATO beigetreten und haben die Gesamtausgaben leicht verteilt.

Die militärische Dominanz der USA wird besonders deutlich, wenn man die Einsatzfähigkeit europäischer Streitkräfte betrachtet. Großbritannien, der engste militärische Verbündete der USA in Europa, verfügte Ende 2023 über nur etwa 150 einsatzbereite Panzer und rund ein Dutzend langreichweitige Artilleriegeschütze. Frankreichs Streitkräfte waren ähnlich schwach aufgestellt.

Ungleiche Lastenverteilung bleibt ein zentrales Problem

Trotz wiederholter Forderungen nach mehr Eigenverantwortung der europäischen Mitglieder bleibt die USA der Hauptgarant für die Sicherheit der NATO. Kritiker wie Trump argumentieren, dass dies auf Dauer nicht tragbar sei. Gleichzeitig warnen Experten vor den Risiken eines Rückzugs der USA, der die europäische Sicherheitsarchitektur destabilisieren könnte.

„Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das auf Solidarität beruht. Wenn die USA ihre Rolle infrage stellen, gefährdet das die Sicherheit aller Mitglieder.“
– NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Fazit: Zukunft der NATO ungewiss

Während die USA unter Trump möglicherweise eine Neuverhandlung der NATO-Beiträge fordern, bleibt die Frage: Wer übernimmt die militärische Führung, wenn die USA sich zurückziehen? Die europäischen Mitglieder müssten ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen, um die entstandenen Lücken zu schließen. Doch bisher fehlt es an konkreten Plänen – und an politischer Einigkeit.

Quelle: Reason