Washington, D.C. – Die US-Kryptobranche feiert einen Durchbruch: Senatoren haben sich auf einen Kompromiss zur Begrenzung von Zins- oder Renditezahlungen auf Stablecoins geeinigt. Dies könnte den Weg für die Verabschiedung des umstrittenen Clarity Act ebnen.

Die Nachricht sorgte für gemischte Reaktionen. Während einige Beobachter den Deal als Sieg der traditionellen Banken interpretierten, zeigte sich Coinbase-CEO Brian Armstrong zuversichtlich. „Mark it up“, schrieb er auf X und signalisierte damit seine Unterstützung für eine Abstimmung im Ausschuss. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act bis 2026 in Kraft tritt, stieg laut Polymarket von 46 % auf 64 %.

Hintergrund ist ein monatelanger Streit um die Behandlung von Stablecoin-Zinsen. Bereits im Januar hatte Armstrong seine Unterstützung für den Gesetzesentwurf zurückgezogen, nachdem er mit der damaligen Fassung unzufrieden war. Der Ausschussvorsitzende Tim Scott vertagte daraufhin die geplante Abstimmung, und die Verhandlungen begannen von Neuem.

Was der Kompromiss vorsieht

Der aktuelle Entwurf des Clarity Act verbietet die Zahlung von Zinsen oder Renditen auf Stablecoins, die „wirtschaftlich oder funktional äquivalent zu Zinsen auf ein verzinsliches Bankguthaben“ sind. Gleichzeitig erlaubt er jedoch Belohnungen oder Anreize für „echte“ Aktivitäten wie Transaktionen, Zahlungen, Überweisungen oder die Bereitstellung von Liquidität in DeFi-Protokollen.

Diese Regelung ähnelt der im vergangenen Jahr gescheiterten GENIUS Act, der Stablecoin-Herausgebern die Zahlung von Zinsen auf Kundengelder untersagte. Banken hatten sich gegen diese Regelung ausgesprochen, da sie befürchteten, Kunden könnten ihre Ersparnisse von traditionellen Konten zu Stablecoins umschichten, die oft höhere Zinsen bieten.

Unklarheiten bleiben

Trotz des Kompromisses bleibt die genaue Auslegung vage. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass US-Finanzaufseher innerhalb eines Jahres Regeln veröffentlichen müssen, die klären, wann Unternehmen Stablecoin-Nutzern Belohnungen anbieten dürfen. Bis dahin bleibt vieles interpretationsbedürftig.

Die Kryptoindustrie begrüßt die Einigung dennoch als wichtigen Schritt. Summer Mersinger, CEO der Blockchain Association, erklärte:

„Die Klärung der Stablecoin-Zinsfrage ebnet den Weg für eine Ausschussabstimmung im Senat und bringt uns der Verabschiedung eines umfassenden Gesetzes zur Marktstruktur näher. Diese Einigung ist ein Schritt in die richtige Richtung, und wir fordern den Ausschuss auf, ohne Verzögerung fortzufahren.“

Zeitdruck durch Wahljahr

Die Abstimmung könnte bereits in diesem Monat erfolgen. Doch die Zeit drängt: Der Senatsentwurf muss mit der Version des Repräsentantenhauses abgeglichen werden, die vor fast einem Jahr verabschiedet wurde. Mit dem Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs wird die legislative Arbeit voraussichtlich ins Stocken geraten.

Senator Tim Scott zeigte sich dennoch optimistisch. „Wir machen echte Fortschritte bei der Digital-Asset-Gesetzgebung und stärken das Vertrauen in unsere Wirtschaft“, schrieb er am Montagmorgen auf X.

Quelle: DL News