Afghanische Flüchtlinge stecken seit Jahren in der Warteschleife

Vier Jahre nach dem Fall Afghanistans an die Taliban blockiert die US-Regierung unter Trump weiterhin die Aufnahme von Afghanen, die im Rahmen des US Refugee Admissions Program (USRAP) und des Special Immigrant Visa (SIV)-Programms in die USA einreisen sollten. Über 1.100 Menschen warten derzeit im Camp As Sayliyah (CAS) in Katar auf ihre Weiterreise – doch seit der Aussetzung des USRAP durch ein Exekutivdekret am 20. Januar 2025 und der Einstellung der SIV-Ausstellung Ende 2025 ist die Situation festgefahren.

Geplante Umsiedlung in den Kongo: Ein riskantes Manöver

Das US-Außenministerium hatte die Afghanen zunächst nach Katar ausgeflogen, um sie vor ihrer Weiterleitung in die USA final zu überprüfen. Doch mit der Schließung des Lagers zum 31. März 2025 und der fehlenden Aufnahmebereitschaft der USA steht die Gruppe nun vor einer ungewissen Zukunft. Laut einem Bericht der New York Times verhandelt das Außenministerium derzeit mit der Demokratischen Republik Kongo über eine mögliche Umsiedlung der Flüchtlinge.

Dabei gilt der Kongo laut dem International Rescue Committee (IRC) als eines der sieben Länder mit dem höchsten Risiko für neue oder verschärfte humanitäre Krisen (IRC-Ranking 2026). Afghanistan selbst liegt zwar ebenfalls auf der Liste, gehört aber nicht zu den Top 10. Kritiker warnen vor einer gefährlichen Fehlentscheidung.

Keine rechtliche Grundlage für eine Umsiedlung

"Dies ist kein Resettlement-Plan. Resettlement erfordert dauerhafte rechtliche Schritte, eine funktionierende Gemeinschaftsinfrastruktur und die Zustimmung sowie Ausstattung des Aufnahmelandes. Keine dieser Bedingungen ist in Kinshasa erfüllt."
Shawn VanDiver, Präsident der Organisation #AfghanEvac, kritisiert die geplante Umsiedlung scharf. Er betont, dass die Betroffenen bereits alle Sicherheitsprüfungen durchlaufen haben und nun ohne Perspektive dastehen.

"Die Menschen in CAS sind nicht ungeprüft hier. Sie sind die am strengsten überprüften legalen Einwanderer in die USA."
Jon Finer, ehemaliger stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater unter Joe Biden, unterstreicht die Absurdität der Situation. Das Lager in Katar habe jahrelang tadellos funktioniert und Tausenden afghanischen Verbündeten und ihren Familien eine sichere Zukunft ermöglicht. Der einzige fehlende Faktor sei nun eine politische Entscheidung zur Wiederaufnahme der Verfahren.

Vertrauensverlust in US-Zusagen

Finer warnt: Die aktuelle Strategie sei ein schlechter Deal für die USA. Sie zeige, dass das Land seine Zusagen nicht einhalte – was künftige Partner abschrecken werde. Die Betroffenen selbst äußern sich verzweifelt. Ein USRAP-Bewerber beschreibt seine Gefühle als „verwirrt und hoffnungslos“.

Rechtliche Auseinandersetzungen und jahrelange Verzögerungen

Bereits seit 2018 kämpft das International Refugee Assistance Project (IRAP) juristisch gegen die US-Regierung, weil diese die Bearbeitung von SIV-Anträgen nicht innerhalb der versprochenen neun Monate abschließt. Die jüngsten Entwicklungen verschärfen die Krise weiter.

Die Situation der Afghanen in Katar wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie kann die USA ihre historischen Verpflichtungen gegenüber Verbündeten einlösen, wenn politische Entscheidungen Menschenleben gefährden? Die geplante Umsiedlung in den Kongo – ein Land mit eigenen schweren Konflikten – erscheint als fataler Irrweg.

Quelle: Reason