Rückgang der Geburten in den USA hält an
Die Zahl der Geburten in den USA ist 2025 erneut gesunken. Laut aktuellen Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) kamen insgesamt 3,6 Millionen Babys zur Welt – ein Rückgang von 1 % im Vergleich zu 2024. Die Fertilitätsrate sank auf 53,1 Geburten pro 1.000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren. Seit 2007 bedeutet das einen Rückgang um 23 %.
Trump-Administration will „Baby-Boom“ erzwingen
Präsident Donald Trump fordert einen „neuen Baby-Boom“ und setzt auf familienpolitische Maßnahmen wie finanzielle Anreize oder erweiterte Fruchtbarkeitsplanung. Ein zentrales Projekt ist die Reform des staatlichen Familienplanungsprogramms Title X, das seit über 50 Jahren einkommensschwachen Frauen kostenlosen Zugang zu Verhütung, sexuell übertragbaren Krankheiten und reproduktiver Gesundheitsversorgung bietet.
Bis zu 5 Millionen Frauen nutzten das Programm jährlich. Sechs von zehn Kundinnen gaben an, dass Title X ihre einzige Gesundheitsversorgung sei. Doch die neue Ausschreibung für Fördergelder ab 2027 zeigt eine radikale Kehrtwende: In dem 67-seitigen Dokument wird Verhütung nur einmal erwähnt – als „überverschrieben“, mit negativen Nebenwirkungen verbunden und Teil einer „übermäßigen Abhängigkeit von pharmazeutischen und chirurgischen Behandlungen“.
Neue Schwerpunkte: Fruchtbarkeit statt Verhütung
Statt Familienplanung soll Title X nun vor allem die Fruchtbarkeit, Familiengründung und spezifische Gesundheitsbedingungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom, Endometriose oder erektile Dysfunktion fördern. Obwohl das Programm weiterhin „gesunde Schwangerschaften“ unterstützen soll, fehlt eine explizite Erwähnung der Vermeidung ungewollter Schwangerschaften – ein zentrales Ziel des Programms seit seiner Gründung.
„Was hier passiert, ist eine vollständige Umdeutung der Familienplanung. Die Regierung versucht, unser nationales Familienplanungsprogramm als Trojanisches Pferd für eine völlig andere Agenda zu nutzen.“
Jessica Marcella, ehemalige Leiterin des Title-X-Programms unter der Biden-Administration
Fruchtbarkeitsrate sinkt – aber nicht wegen Verhütung
Die Trump-Administration führt die sinkenden Geburtenraten als Grund für die Reform an. Doch Experten wie die Demografin Alison Gemmill von der UCLA sehen andere Ursachen: „Kinderkriegen wird zunehmend später im Leben realisiert, parallel zu späteren Meilensteinen wie stabiler Beschäftigung, Auszug aus dem Elternhaus oder Heirat.“
Die meisten Frauen in den USA bekommen im Laufe ihres Lebens durchschnittlich zwei Kinder – ein Trend zu kleineren Familien, nicht zu mehr Kinderlosigkeit. „Kinder zu bekommen ist heute stärker von Planung und Kontingenz abhängig“, erklärt Gemmill. Der Rückgang seit 2007 spiegle vor allem diese Verschiebung wider.
Kritik: Gefährliche Folgen für Frauen
Kritiker befürchten, dass die Reform den Zugang zu Verhütung erschwert und damit ungewollte Schwangerschaften begünstigt. Besonders betroffen wären einkommensschwache Frauen, die auf Title X als einzige Gesundheitsversorgung angewiesen sind. Die geplante Umstrukturierung könnte zudem zu einer Zunahme riskanter Schwangerschaften führen, da präventive Maßnahmen wie Verhütung in den Hintergrund rücken.
Die Debatte um Title X zeigt, wie stark die US-Familienpolitik zwischen politischen Ideologien und wissenschaftlichen Erkenntnissen schwankt – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die reproduktive Gesundheit von Millionen Frauen.