Vor drei Jahren sorgte eine Aussage von Joe Russo, Regisseur der Marvel-Blockbuster Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame, für Aufsehen: Er prognostizierte in einem Interview mit Collider, dass es innerhalb von nur zwei Jahren einen vollständig von künstlicher Intelligenz generierten Film geben werde. Doch heute, drei Jahre später, ist diese Vorhersage nicht eingetreten – und Hollywood bleibt weitgehend menschengemacht.

Russo, der auch im Vorstand mehrerer KI-Unternehmen sitzt, gehört zu den prominentesten Fürsprechern generativer KI in der Filmbranche. Doch selbst seine eigenen Projekte zeigen, dass die Technologie noch weit von der versprochenen Revolution entfernt ist. Sein Film The Gray Man (2022) mit Ryan Gosling war ein teures Patchwork aus Action-Szenen, das selbst der Star nicht retten konnte. The Electric State (2025), mit einem Budget von 320 Millionen Dollar, wirkt wie ein Produkt von ChatGPT – mit einer künstlich aufgeblasenen Ästhetik, die kaum noch an die Vorlage erinnert.

Trotz dieser offensichtlichen Grenzen bleibt Russo ein überzeugter Verfechter der KI. In demselben Interview argumentierte er, dass die Technologie die Demokratisierung des Storytellings vorantreiben werde – besonders für Nachwuchskünstler ohne große Budgets. Seine Vision: Zuschauer könnten bald selbst Filme mitgestalten, indem sie KI-Systeme auf Streaming-Plattformen steuern.

„Sie könnten nach Hause kommen und die KI auf Ihrer Streaming-Plattform fragen: ‚Ich möchte einen Film mit meinem photorealistischen Avatar und Marilyn Monroes Avatar. Es soll eine RomCom sein, weil ich einen schlechten Tag hatte.‘ Die KI würde dann eine kompetente Geschichte mit Dialogen in Ihrer Stimme generieren.“

Doch diese Zukunftsvision ist bisher reine Spekulation. Stattdessen nutzte Russo selbst KI-Technologie für Sprachmodulation in The Electric State – trotz der massiven Kritik an dem Film. Seiner Meinung nach scheitert der Einsatz von KI in Hollywood nicht an der Technologie, sondern an der Angst und Unwissenheit der Menschen.

Russo ist nicht der Einzige, der eine KI-Revolution in der Filmbranche vorhersagt. Doch die Realität hinkt den Versprechungen weit hinterher. Zwar wird KI bereits hinter den Kulissen eingesetzt, doch sie ist noch lange nicht in der Lage, ganze Filme zu generieren – geschweige denn qualitativ akzeptable Werke. Selbst die Russos eigenen Produktionen wirken wie billige KI-Experimente.

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Quelle: Futurism