Die Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte vor Ort ist für viele US-Unternehmen schwieriger geworden als noch vor einem Jahr. Das bestätigt der Global Workforce Report 2025 von Remote, für den über 3.600 HR- und Führungskräfte weltweit befragt wurden. Auf den ersten Blick mag der US-Arbeitsmarkt zwar kühler wirken, da die Einstellungsrate insgesamt gesunken ist. Doch der Schein trügt: Während einige Branchen Stellen streichen, kämpfen andere weiterhin um Fachkräfte mit spezifischen Qualifikationen.
Warum lokale Talentsuche an Grenzen stößt
Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, die benötigten Fähigkeiten in ihrer Region zu finden. Gleichzeitig erschweren strengere Einwanderungsregeln und die rasante Entwicklung durch KI die Rekrutierung zusätzlich. Viele Arbeitnehmer können mit der Geschwindigkeit der Veränderungen nicht mithalten. Bisher konnten US-Firmen auf ein großes nationales Arbeitskräfteangebot vertrauen – wenn eine Stelle in einer Stadt nicht besetzt werden konnte, wurde einfach in einer anderen gesucht. Doch dieser Vorteil schwindet, da Kompetenzen und Kundenbedürfnisse zunehmend global verteilt sind.
Globale Rekrutierung wird zum Standard – nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit
Die meisten US-Unternehmen stellen nicht aus ideologischen Gründen international ein, sondern weil der lokale Arbeitsmarkt die Nachfrage nicht decken kann. Fast die Hälfte der befragten Führungskräfte gibt an, dass Fachkräftemangel bereits zu verpassten Geschäftszielen geführt hat – etwa verzögerten Produktstarts oder nicht erreichten Umsatzzielen. Ohne die richtigen Talente vor Ort müssen Unternehmen ihre Suche ausweiten.
Für viele Firmen ist internationale Rekrutierung sogar eine Strategie für lokales Wachstum. 73 % der Führungskräfte erwarten, dass 2026 mehr als die Hälfte ihrer Neueinstellungen außerhalb der USA stattfinden wird. Besonders bei der Expansion in neue Märkte hilft es, Mitarbeiter einzustellen, die lokale Vorschriften und Kundenbedürfnisse kennen – das reduziert Reibungsverluste von Anfang an.
Vorteile verteilter Teams – aber nur mit klaren Strukturen
Verteilte Teams bieten operative Vorteile: Die Arbeit stoppt nicht, wenn eine Zeitzone Feierabend macht. Entwicklungsprozesse laufen über Nacht weiter, der Kundensupport bleibt aktiv, und Aufgaben können nahtlos übergeben werden. Das beschleunigt Produktentwicklung und Reaktionszeiten. Doch dieser Vorteil funktioniert nur mit klaren Verantwortlichkeiten und Grenzen. Ohne klare Strukturen droht eine Always-on-Kultur, die die Effizienz mindert statt steigert.
US-Unternehmen sind bereits globaler als gedacht
Laut dem Report haben 45 % der US-Unternehmen in den letzten sechs Monaten international rekrutiert, und weitere 50 % planen dies in den kommenden sechs Monaten. Nur 15 % der Firmen stellen ausschließlich lokal ein. Im Durchschnitt beschäftigen US-Unternehmen Mitarbeiter in 3,5 Ländern – ein Wert, der fast identisch mit dem globalen Durchschnitt von 3,6 ist. Vor zehn Jahren wäre das noch ungewöhnlich gewesen. Heute ist es Normalität.
Für Arbeitgeber bedeutet das: Der globale Talentpool ist mittlerweile der Standard. Das schmälert nicht den Wert amerikanischer Arbeitskräfte, sondern erweitert die Möglichkeiten für US-Teams. Viele Branchen hinken noch bei digitalen Fähigkeiten und KI-Kenntnissen hinterher – ein Prozess, der Zeit braucht. Globale Rekrutierung hilft Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben, während sie sich anpassen.
Für Arbeitnehmer verändert sich dadurch auch die Art, wie Karrieren aufgebaut werden. Der Zugang zu Stellen ist nicht mehr auf eine Region beschränkt, sondern global möglich. Gleichzeitig steigt der Druck, sich kontinuierlich weiterzubilden, um mit den Anforderungen Schritt zu halten.