Vom Bronx-Jungen zum Milliardär – und dann zum Globalisierungskritiker

Die erste Amtszeit der zweiten Trump-Regierung ist geprägt von einer Wirtschaftspolitik, die den globalen Handel und die Migration nicht nur als problematisch, sondern als schädlich für den Wohlstand der USA darstellt. Handelsminister Howard Lutnick hat diese Haltung im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos noch einmal unterstrichen – und dabei eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen.

„Die Trump-Administration und ich sind hier, um eine klare Botschaft zu vermitteln: Die Globalisierung hat den Westen und die USA im Stich gelassen. Sie hat Amerika zurückgelassen.“

Howard Lutnick, Handelsminister der USA

Eine Erfolgsgeschichte, die gegen Lutnicks Kritik spricht

Doch wie passt diese Aussage zu Lutnicks eigenem Werdegang? Sein Großvater führte eine Reinigung in der Bronx, sein Vater war Historiker. Lutnick selbst stieg zum CEO der Investmentbank Cantor Fitzgerald auf und wurde Milliardär – ein Aufstieg, der ohne globale Märkte undenkbar gewesen wäre. Dass er nun die Globalisierung als „gescheitert“ bezeichnet, wirkt angesichts seiner Biografie besonders zynisch.

Die Fakten: Warum die USA heute reicher sind denn je

Die These, die Globalisierung habe Amerika „zurückgelassen“, lässt sich mit harten Wirtschaftsdaten widerlegen. Ein zentraler Indikator ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf – ein Maß für den Wohlstand einer Nation. 1990, als Lutnick die Führung von Cantor Fitzgerald übernahm, lag das US-BIP pro Kopf bei etwa 40.000 Dollar (inflationsbereinigt). Im vergangenen Jahr erreichte es über 70.000 Dollar. Die USA sind heute also deutlich wohlhabender als vor 30 Jahren.

Doch nicht nur die Gesamtwirtschaft wächst: Auch die Löhne der Arbeitnehmer sind gestiegen. Der durchschnittliche Stundenlohn hat sich in den letzten 20 Jahren von etwa 20 auf über 36 Dollar erhöht. Die Zahl der Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 Dollar (inflationsbereinigt) hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht, während die Zahl der Haushalte mit weniger als 35.000 Dollar Einkommen zurückgegangen ist.

Mehr als nur Zahlen: Der Lebensstandard der Amerikaner

Der wahre Maßstab für Wohlstand ist jedoch nicht das BIP oder die Lohnstatistik, sondern der Lebensstandard. Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten haben Amerikaner heute Zugang zu besserer Technologie, fortschrittlicherer Medizin und mehr Komfort – etwa durch Klimaanlagen. Sie arbeiten weniger Stunden, verdienen mehr, reisen häufiger, ernähren sich besser und leben länger als je zuvor.

Ob diese Entwicklungen direkt auf die Globalisierung zurückzuführen sind, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Doch eines ist klar: Die USA sind heute eine der wohlhabendsten Gesellschaften der Weltgeschichte – ein Befund, der Lutnicks pauschale Globalisierungskritik ad absurdum führt.

Was wirklich hinter den Problemen steckt

Natürlich gibt es weiterhin wirtschaftliche Herausforderungen: Hohe Inflation, explodierende Wohnkosten und medizinische Ausgaben belasten viele Haushalte. Doch diese Probleme sind oft hausgemacht – etwa durch staatliche Regulierungen oder Steuerpolitik. Statt falsche Schuldige wie die Globalisierung zu suchen, sollte die Regierung konkrete Lösungen für diese Themen finden.

Lutnick und seine Mitstreiter im populistischen Lager der Trump-Administration sollten sich auf die tatsächlichen Ursachen konzentrieren, statt mit offensichtlichen Falschbehauptungen Politik zu betreiben.

Quelle: Reason