Der Ford Explorer der ersten Generation (1991–1994) gilt als einer der einflussreichsten Geländewagen der US-Automobilgeschichte. Ein kürzlich auf einem Schrottplatz in Colorado entdecktes Exemplar mit der hochwertigen Eddie Bauer-Ausstattung und Allradantrieb beweist: Dieses Modell prägte eine ganze Ära.
Ein SUV, der die Branche veränderte
In den letzten Monaten lag der Fokus dieser Reihe auf Importfahrzeugen sowie Modellen von GM und Chrysler. Doch nun rückt ein typisch amerikanisches Fahrzeug in den Mittelpunkt: der erste Ford Explorer. Dieses Modell war nicht nur ein Verkaufsschlager – es definierte, was ein SUV sein sollte.
Zwischen 1991 und 1994 verließen über eine Million Einheiten die Produktionshallen. Besonders in westlichen Bundesstaaten wie Colorado sind erste Generationen des Explorers noch in Schrottplätzen zu finden. In anderen Regionen sind sie aufgrund von Rost bereits selten geworden.
Von der Pickup-Ableitung zum eigenständigen SUV
Der Name „Explorer“ war nicht neu: Bereits in früheren Jahrzehnten bezeichnete Ford damit eine Ausstattungsvariante der F-Serie-Pickups. Doch der erste eigenständige Explorer (intern als UN46 bezeichnet) setzte Maßstäbe. Zusammen mit dem Jeep XJ Cherokee (1984) und dem Jeep ZJ Grand Cherokee (1993) formte er die SUV-Landschaft Nordamerikas – und später der ganzen Welt.
„Bis zur Jahrtausendwende wussten alle Hersteller: Wer keine SUV-Linie anbietet, hat bald keine Jobs mehr.“
Technische Merkmale: Robust, aber nicht komfortabel
Im Gegensatz zu den unibasierten Jeep-Modellen mit komfortableren Fahrwerken blieb der Explorer ein echter Geländewagen. Er basierte auf dem Ranger-Pickup mit separatem Rahmen und der veralteten Twin I-Beam-Achse – eine Konstruktion, die aus der F-Serie stammte. Das bedeutete: mehr Fahrkomfort als bei früheren Trucks, aber weniger Komfort als bei den Jeep-Konkurrenten.
Ein entscheidender Vorteil war jedoch die Vier-Türen-Variante, die es beim kleineren Bronco II nicht gab. Angetrieben wurde der Explorer ausschließlich vom Cologne-V6 mit 4,0 Litern Hubraum und 155–160 PS (je nach Baujahr). Damit war er zwar nicht der stärkste, aber zuverlässig und robust – ein typisches Ford-Merkmal.
Getriebe: Handschaltung oder Automatik – die Wahl blieb
Der Explorer der ersten Generation war einer der letzten SUVs, die serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe erhältlich waren. Selbst die hochwertige Eddie-Bauer-Ausstattung konnte mit einer manuellen Schaltung bestellt werden – ein Relikt aus einer Zeit, in der Sparsamkeit noch eine Rolle spielte. Die meisten Käufer entschieden sich jedoch für die Fünfgang-Automatik, die gegen Aufpreis erhältlich war.
Einfluss auf die Automobilbranche
Der Erfolg des ersten Explorers führte dazu, dass fast jeder Hersteller in den USA und später weltweit eine SUV-Linie auflegte. Ohne dieses Modell gäbe es heute weder den Toyota RAV4 noch den Volkswagen Tiguan in dieser Form. Der Explorer bewies: Amerikanische Verbraucher wollten große, robuste Fahrzeuge – und sie waren bereit, dafür höhere Spritkosten in Kauf zu nehmen.
Heute ist der erste Explorer ein gesuchtes Sammlerstück. Wer Glück hat, findet noch ein fahrtüchtiges Exemplar auf einem Schrottplatz. Doch selbst als rostiger Fund bleibt er ein Symbol für den Beginn einer neuen Ära in der Automobilgeschichte.
„Der Ford Explorer der ersten Generation war kein komfortables Auto, aber er war zuverlässig, praktisch und vor allem: er definierte, was ein SUV sein sollte.“