„Nettes Motorrad“, dachte ich, als die violette Kawasaki KH400 mit ihrem Dreizylinder durch eine Kurve glitt und anschließend auf der Geraden sanft beschleunigte. Schnell, aber nicht aufdringlich, gut zu handhaben und fahrerfreundlich – so fühlte sich das Bike an. Ein Urteil, das bereits vor 50 Jahren gefällt wurde. Doch genau darin lag damals auch das Problem.

Die KH400 galt als zu zahm und zivilisiert. Ihre Vorgänger, die 500er H1 und 750er H2 aus den frühen 1970ern, waren berüchtigt für ihre rohe Kraft, den ohrenbetäubenden Lärm und die mangelhafte Fahrstabilität. Kawasaki hatte sich damit einen Ruf als Performance-Pionier erarbeitet. Doch die KH400, 1976 vorgestellt, passte nicht in dieses Schema. Sie war zu sanft, zu freundlich – Attribute, die damals nicht zu Kawasaki-Motorrädern passten.

Dabei traf die japanische Marke keine Schuld. Die luftgekühlten Dreizylinder der H-Serie waren in den USA ein Verkaufsschlager. Ihre Kombination aus Leichtbau und hoher Leistung sorgte für unschlagbare Beschleunigung – besonders bei Ampelstarts. Die miserable Fahrstabilität und die schwachen Bremsen wurden in den USA kaum kritisiert, wo geradeaus gerichtete Leistung Priorität hatte. Auch der hohe Spritverbrauch war in einem Land mit extrem günstigem Benzin kein großes Thema. Im Gegenteil: Der rebellische Charakter der Zweitakter steigerte sogar ihre Attraktivität.

Doch Mitte der 1970er Jahre änderten sich die Zeiten – selbst in den USA. Die Umweltbehörde EPA verschärfte die Abgasvorschriften, und 1975 war das letzte Jahr für die H2 750. Trotz Leistungsreduzierung titelte das Magazin Cycle World noch immer: „Evil, Wicked, Mean and Nasty“. Auch die kleineren Dreizylinder wie die 250er S1 und 350er S2 litten unter den neuen Regeln. Die 350er S2 wurde 1974 durch die 400er S3 ersetzt, doch trotz größerer Hubraumleistung sank die Leistung leicht auf 42 PS. Die S3, in Deutschland als Mach II bekannt, galt als „unverschämt schnell für nur 400 ccm“ – selbst für Kawasaki-Dreizylinder-Standards. Doch auch sie wurde zum Opfer der strengeren Abgasgesetze.

Kawasaki hatte kaum Spielraum. Die KH400, die 1976 die S3 ablöste, musste daher schwächer und zivilisierter ausfallen. Der 400er-Dreizylinder mit Kolbensteuerung blieb technisch unverändert, erhielt aber eine elektronische Zündung statt Unterbrecherkontakte. Neue Ansauggeräusche dämpfende Leitbleche reduzierten den Lärm bei Vollgas, und effizientere Schalldämpfer kosteten weitere vier PS. Die Höchstleistung sank auf 38 PS bei 7.000 U/min. In Deutschland, wo die Abgasvorschriften noch strenger waren, wurden sogar nur 36 PS erreicht. Optik und Fahrwerk blieben dagegen unverändert: Die KH400 behielt den runden Tank und das asymmetrische Design der S3 bei.

Quelle: Hagerty