Nur wenige Stunden bevor Jeff Bezos und Lauren Sánchez Bezos als Sponsoren und Ehrenvorsitzende der diesjährigen Met Gala auf dem roten Teppich des Metropolitan Museum of Art in New York stehen, fand in einem anderen Stadtteil ein ganz anderes Modereignis statt: die „Ball Without Billionaires“. Die von Gewerkschaften organisierte Gegenveranstaltung setzte ein klares Zeichen gegen die exklusive Welt der Milliardäre und feierte stattdessen die Arbeit der Beschäftigten aus Unternehmen wie Amazon, Whole Foods, Starbucks und Uber.

Hinter der Initiative stehen mehrere Gewerkschaftsverbände, darunter die Service Employees International Union (SEIU), das Strategic Organizing Center und die Amazon Labor Union. Die Models der Show waren keine professionellen Models, sondern aktuelle und ehemalige Beschäftigte dieser Unternehmen. Sie präsentierten Mode von aufstrebenden, oft migrantischen und BIPOC-Designern wie Cindy Castro, Abacaxi, Atashi und Ricardo DSean. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Schauspielerin und Komikerin Lisa Ann Walter sowie der Modejournalistin Gabriella Karefa-Johnson.

Das Motto der „Ball Without Billionaires“ lautete: „Labor Is Art“ – ein klarer Gegenentwurf zum offiziellen Motto der Met Gala 2026, „Fashion Is Art“. Die Stimmung war feierlich und solidarisch. Die Teilnehmer:innen trugen selbst entworfene oder ausgewählte Outfits und feierten sich gegenseitig.

Arbeiter:innen als Held:innen ihrer eigenen Geschichte

Vor dem Beginn der Modenschau hielt April Verrett, Präsidentin der SEIU seit 2024, eine Rede. Sie betonte, dass die Met Gala jedes Jahr eine bestimmte Erzählung über Werte und Personen transportiere – eine Erzählung, die oft diejenigen ausschließe, die die eigentliche Arbeit leisten. „Dieses Jahr haben wir beschlossen, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Verrett. „Wir machen uns zu den Held:innen unserer eigenen Geschichte, feiern uns selbst und leben unsere Freude lautstark aus.“

Amazon äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Die Entscheidung der Bezoses, die Met Gala als Sponsoren und Ehrenvorsitzende zu unterstützen – gemeinsam mit Prominenten wie Beyoncé, Nicole Kidman und Venus Williams – hat jedoch für massive Kritik gesorgt. So kündigte etwa der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani an, die Veranstaltung zu boykottieren und verwies auf seine Prioritäten in der Wohnungspolitik. In den letzten Wochen tauchten zudem Plakate mit der Aufschrift „Boykottiert die Bezos-Met-Gala“ in der Stadt auf, die auf langjährige Vorwürfe von Arbeitsrechtsverletzungen in Amazons Logistikzentren hinweisen.

Gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung

Die „Ball Without Billionaires“ brachte Menschen mit unterschiedlichen, aber verbundenen Anliegen zusammen. Eine von ihnen war Angelita Soriano, eine Community-Organisatorin aus Hobart, Indiana. Sie kämpft gegen den Bau eines riesigen Amazon-Rechenzentrums in ihrer Nachbarschaft. Der geplante Komplex mit 26 Gebäuden soll rund um die Uhr betrieben werden und wirft Fragen zu Wasserverbrauch, Lärm- und Lichtverschmutzung auf. „Wir fordern unabhängige Studien, die belegen, dass unser Zuhause und die Umwelt nicht gefährdet werden“, sagt Soriano. „Doch Amazon weigert sich, diese vorzulegen.“

Soriano reiste eigens nach New York, um an der Gegenveranstaltung teilzunehmen. Für sie war es eine Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben und Solidarität mit anderen Betroffenen zu zeigen. Die „Ball Without Billionaires“ wurde so zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Machtkonzentration von Milliardären – und für die Anerkennung der Arbeit derer, die diese Systeme am Laufen halten.