Audi Tradition hat den „Lucca“ wiederbelebt – einen der verrücktesten Rennwagen der 1930er-Jahre. Der Nachbau des legendären Auto-Union-Rekordfahrzeugs wird mit einem 520-PS-V16-Motor ausgestattet und feiert seine Premiere auf dem Festival of Speed 2024 in Goodwood.
Der Originalwagen erreichte 1935 auf einer italienischen Landstraße eine Geschwindigkeit von 203 km/h und brach damit den bisherigen Rekord von Rudolf Caracciola. Damals eine Sensation: Während Serienfahrzeuge kaum 80 km/h schafften, jagte der Auto Union Type A mit seinem 5,0-Liter-V16-Motor (338 PS) durch die Landschaft. Doch was mit dem Original geschah, bleibt ein Rätsel – viele Fahrzeuge der Marke verschwanden nach dem Krieg in der Sowjetunion.
Da keine originalen Baupläne überliefert sind, setzte das britische Spezialistenteam Crossthwaite and Gardiner auf historische Fotos und Archivmaterial. Über drei Jahre hinweg rekonstruierten sie den „Lucca“ detailgetreu – inklusive der typischen Stromlinienform mit verkleideten Rädern und einem spitz zulaufenden Heck. Aerodynamik war damals bereits entscheidend, auch wenn moderne Hypercars erst Jahrzehnte später ähnliche Prinzipien übernahmen.
Für mehr Zuverlässigkeit und Komfort integrierten die Ingenieure moderne Lösungen: Eine verbesserte Belüftung, inspiriert von den AVUS-Rennen 1935, und ein auf 6,0 Liter vergrößerter Motor mit 520 PS statt der ursprünglichen 338 PS. Das Ergebnis wiegt 960 kg und soll dank dieser Anpassungen sogar schneller sein als das Original – auch wenn Audi keine offiziellen Tests plant.
Der Nachbau ist nicht nur ein Hommage an die Pionierzeit des Motorsports, sondern auch ein Beweis für das handwerkliche Können der Restauratoren. Ob er jemals auf der Straße oder der Rennstrecke an seine Grenzen geht, bleibt vorerst offen. Fest steht: Der „Lucca“ verkörpert eine Ära, in der Geschwindigkeit noch keine Grenzen kannte.