Satellitenbilder belegen den dramatischen Rückgang des bolivianischen Regenwaldes in den östlichen Tiefebenen seit 1984. Hauptursache ist die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen. Doch hinter der Zerstörung steckt ein unerwarteter Akteur: eine religiöse Sekte.
In den letzten Jahrzehnten haben Brände, Farmer und Viehzüchter weltweit Millionen Hektar tropischen Regenwalds vernichtet. Besonders betroffen sind Brasilien, die Demokratische Republik Kongo und Indonesien. Doch in den letzten Jahren hat sich Bolivien zu einem der Länder mit der höchsten Abholzung entwickelt. Allein 2025 verlor das Land 1,5 Millionen Hektar Primärwald – nur knapp hinter Brasilien, wie eine aktuelle Analyse der Universität Maryland und des World Resources Institute (WRI) zeigt. Das entspricht fast der Fläche des US-Bundesstaates Delaware.
Bedrohte Ökosysteme und globale Folgen
Die gerodeten Flächen in Bolivien gehören zu den wichtigsten und artenreichsten Ökosystemen der Erde, darunter der Amazonas-Regenwald und die trockenen Chiquitano-Wälder. Sie beherbergen seltene Tierarten wie den Mähnenwolf – ein hundeähnliches Raubtier, das entgegen seinem Namen kein Wolf ist. Gleichzeitig speichern diese Wälder enorme Mengen an Kohlenstoff. Wird der Wald gerodet, gelangt das CO₂ schnell in die Atmosphäre und beschleunigt den Klimawandel. Jährlich verursacht die tropische Abholzung mehr CO₂-Emissionen als die gesamte Europäische Union.
Die Rolle der Viehzucht und des Sojaanbaus
Auf den ersten Blick ähnelt die Situation in Bolivien der in anderen tropischen Ländern: Bäume werden für Weideflächen und Ackerland gerodet, oft mit Feuer. Durch den Klimawandel verschärfen sich Dürren, und Brände greifen auf unberührte Wälder über. Doch ein genauerer Blick zeigt: In Bolivien treibt eine ungewöhnliche Gruppe die Rodungen voran – eine weiße religiöse Sekte.
Der Hauptgrund für die Abholzung ist die Ausweitung der Viehzucht. Es ist günstiger, Wald zu kaufen und zu roden, als bereits bestehende Weideflächen zu nutzen, erklärt Daniel Larrea, Programmleiter für Wissenschaft und Technologie bei der bolivianischen NGO Conservación Amazónica. Zudem verlieren Landbesitzer in Bolivien ihr Eigentum, wenn sie das Land nicht „produktiv“ nutzen – etwa durch Rinderzucht. Dies schafft einen starken Anreiz zur Rodung.
Ein weiterer großer Treiber ist der Sojaanbau. Bolivien ist einer der weltweit größten Sojaexporteure, vor allem für Tierfutter und Sojabohnenöl. Zwischen 2001 und 2021 vernichteten Sojafarmen rund 2,2 Millionen Hektar Wald – eine Fläche so groß wie Puerto Rico, wie ein Bericht der Amazon Conservation Association zeigt.
Die mysteriöse Rolle der religiösen Sekte
Doch wer rottet diese Wälder tatsächlich? Hinter den Rodungen stecken oft Mitglieder einer weißen christlichen Sekte, die in abgelegenen Regionen Boliviens aktiv sind. Sie kaufen oder besetzen große Waldflächen, rodet sie und nutzen das Land für Viehzucht oder Sojaanbau. Die Regierung unternimmt kaum etwas gegen diese Praxis, obwohl sie gegen bolivianische Umweltgesetze verstößt.
Experten warnen vor den langfristigen Folgen: Der Verlust dieser Ökosysteme gefährdet nicht nur die Artenvielfalt, sondern beschleunigt auch den Klimawandel. Gleichzeitig verschärft die Abholzung die Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung, die traditionell in diesen Wäldern lebt.
„Die Rodungen durch die Sekte sind systematisch und folgen einem klaren Muster. Sie nutzen rechtliche Grauzonen aus, um ungestört Wälder zu zerstören.“
— Experte für Umweltrecht, anonym
Internationale Kritik und fehlende Lösungen
Trotz internationaler Kritik hat Bolivien bisher keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Abholzung zu stoppen. Umweltorganisationen fordern strengere Kontrollen und die Anerkennung der Rechte indigener Gemeinschaften. Doch die politische Lage ist komplex: Die Regierung setzt auf wirtschaftliche Entwicklung, auch um den Preis der Umweltzerstörung.
Die Zukunft der bolivianischen Wälder hängt nun davon ab, ob es gelingt, die Rodungen durch die religiöse Sekte und andere Akteure zu stoppen – bevor es zu spät ist.