Seit die US-Zollbehörde CBP im April 2026 das CAPE-Portal für Zollrückerstattungen freigeschaltet hat, können Importeure ihre Ansprüche elektronisch geltend machen. Bis zum 9. April hatten sich bereits 56.497 Unternehmen registriert, die insgesamt Rückerstattungen in Höhe von 127 Milliarden US-Dollar beantragt haben. Die Regierung erwartet insgesamt Rückzahlungen von etwa 166 Milliarden US-Dollar – ein Betrag, der nach einem Urteil des Supreme Courts im Februar 2026 fällig wurde. Die CBP garantiert, dass berechtigte Ansprüche innerhalb von 60 bis 90 Tagen ausgezahlt werden.

Cantor Fitzgeralds umstrittene Rolle

Doch die Einführung des Portals wirft neue Fragen auf: Was hat Cantor Fitzgerald mit den Rückerstattungsansprüchen gemacht? Und was wusste Firmenchef Howard Lutnick, der gleichzeitig als Handelsminister fungierte? Im Juli 2025 berichtete WIRED, dass ein Vertreter von Cantor Importeuren Angebote unterbreitet habe, Rückerstattungsansprüche für 20 bis 30 Cent pro Dollar aufzukaufen. Das Unternehmen habe zudem erklärt, Kapazitäten für „mehrere hundert Millionen Dollar“ in solchen Geschäften zu haben und bereits eine Transaktion über 10 Millionen US-Dollar abgewickelt zu haben.

Das angebotene Geschäftsmodell basierte auf Arbitrage: Cantor wollte notleidende Ansprüche von Importeuren aufkaufen, die dringend Liquidität benötigten, und später bei einer gerichtlichen Aufhebung der Zölle die vollen Beträge eintreiben. Cantor bezeichnete die Berichterstattung als „absolut falsch“. In einem Bericht von Semafor im Februar 2026 hieß es, das Unternehmen habe zwar über das Produkt nachgedacht, sich aber dagegen entschieden. Ein Sprecher betonte, Cantor habe „keine Transaktionen durchgeführt oder Risiken im Zusammenhang mit der Legalität der Zölle übernommen“.

Lutnicks Interessenkonflikt

Der strukturelle Interessenkonflikt Lutnicks war von Anfang an offensichtlich: Als überzeugter Befürworter der von Trump verhängten Zölle riet er dem damaligen Präsidenten zu deren Umsetzung – während Cantor gleichzeitig nach Wegen suchte, von einer späteren Aufhebung der Zölle zu profitieren. Zudem fungiert Cantor Fitzgerald als Verwahrer der US-Staatsanleihen von Tether, einem der größten Reservepools im Kryptobereich.

Die Rückerstattungsansprüche wurden zwischen Mitte 2025 (20–30 Cent pro Dollar) und Anfang April 2026 (55–75 Cent pro Dollar) deutlich aufgewertet, nachdem das CAPE-Portal live ging. Lutnick hatte versucht, durch die Übertragung seiner Cantor-Anteile an Treuhandkonstrukte für seine erwachsenen Kinder sowie den Verzicht auf wirtschaftliche Vorteile ab Mai 2025 eine klare Trennung zwischen seiner politischen Rolle und den kommerziellen Aktivitäten seines ehemaligen Unternehmens zu schaffen. Seine Ethikvereinbarung mit dem Office of Government Ethics (OGE) sah vor, dass er keine wirtschaftlichen Vorteile aus seinen Beteiligungen ziehen dürfe, solange die Verkäufe anhängig seien.

Kritik von Demokraten

Doch Demokraten im Kongress halten diese Maßnahmen für unzureichend. Im August 2025 forderten die Senatoren Ron Wyden und Elizabeth Warren Cantor auf, offenzulegen, wie viele Rückerstattungsvereinbarungen bereits ausgearbeitet oder abgeschlossen wurden und ob Cantor oder ein verbundenes Unternehmen Vertragspartner war. Im Februar 2026 folgte der Abgeordnete Jamie Raskin mit einer ähnlichen Forderung. Die Vorwürfe werfen ein Schlaglicht auf mögliche Ethikverstöße und die Transparenz von Cantor Fitzgeralds Aktivitäten.

Hintergrund: Warum die Zollrückerstattungen so wichtig sind

Die Rückerstattungen betreffen Zölle, die unter Berufung auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erhoben wurden. Der Supreme Court urteilte im Februar 2026, dass diese Zölle nicht rechtmäßig waren. Betroffen sind Importeure, die nun Anspruch auf die Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Abgaben haben. Die CBP hat bereits zugesichert, dass die Auszahlungen zügig erfolgen sollen.

Die Debatte um Cantor Fitzgerald zeigt, wie komplex die Aufarbeitung der Zollpolitik der Trump-Ära ist – und welche Rolle Finanzinstitute dabei spielten. Während die einen die Arbitrage-Möglichkeiten nutzen, stehen andere vor der Frage, ob solche Geschäfte mit politischen Ämtern vereinbar sind.