Ein vielversprechender Ansatz mit ernüchterndem Ergebnis
Outerloop Games hat sich in der Vergangenheit mit innovativen Konzepten einen Namen gemacht – selbst wenn Spiele wie Falcon Age nicht perfekt waren, überzeugten sie durch starke Geschichten oder einzigartige Spielmechaniken. Nach Thirsty Suitors folgt nun mit Dosa Divas ein weiteres RPG, das sich mit familiären Beziehungen, Kultur und Kulinarik auseinandersetzt. Doch diesmal wirken narrative Entscheidungen und das Kampfsystem nicht mehr so frisch und berührend wie zuvor. Tatsächlich hätte die Geschichte möglicherweise besser als Graphic Novel oder kurze Animationsserie funktioniert.
Unklare Handlung und überfordernde Einführung
Dosa Divas beginnt mitten in der Handlung, ohne ausreichende Kontextualisierung. Die drei Schwestern Amani, Samara und Lina stammen aus einer Familie, die einst ein Restaurant besaß – Amani war dort Chefköchin. Doch dann verließ die älteste Schwester das Land, Samara fühlte sich schuldig, und die jüngste, Lina, gründete mit LinaMeals ein Unternehmen, das Fertigessen in Tuben anbietet und mit juristischen Mitteln gegen selbstgekochte Mahlzeiten vorgeht. Als Amani unerwartet zurückkehrt, scheint sie die familiäre Zerrissenheit nicht zu begreifen. Die Schwestern müssen sich wieder annähern, traditionelles Kochen wiederbeleben und gegen den Einfluss von Konzernen und Kapitalismus kämpfen.
Während die Dynamik zwischen Amani und Samara faszinierend ist und Outerloop erneut komplexe Familienbeziehungen meisterhaft darstellt, fehlte mir bei Dosa Divas die emotionale Tiefe von Thirsty Suitors. Ein zentrales Problem ist das Tempo: Schon in der Einführung und im ersten Dorf fühlte ich mich überfordert, obwohl ich die Charaktere gerade erst kennengelernt hatte. Später, gegen Ende des Spiels, zog sich die Handlung unnötig in die Länge, um durch Rückblenden und zusätzliche Gerichte künstlich aufgebläht zu werden.
Schwache Erzählweise und fehlende emotionale Bindung
Das Spiel setzt stark auf „Show, don’t tell“ – doch genau das gelingt nicht. Statt die Familiengeschichte durch Handlungen und klare Erklärungen zu vermitteln, wird vieles nur angedeutet oder vorausgesetzt. Die Tonlage springt zwischen Humor, Drama und sozialer Kritik hin und her, ohne dass eine konsistente emotionale Linie entsteht. Selbst wenn ich die Situationen der Inselbewohner nachvollziehen konnte und einige Dialoge amüsant fand, blieb die Verbindung zu den Charakteren flach.
Besonders enttäuschend war das Finale: Statt einer befriedigenden Auflösung fühlte es sich wie eine Pflichtübung an – als müsste man nur noch schnell eine Reihe von Aufgaben abhaken, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Lina hat nicht nur den Ruf der Familie ruiniert, sondern mit LinaMeals auch das Leben aller erschwert. Amani und Samara wirken zeitweise wie auf einer Rehabilitationsmission, um den Familiennamen zu retten und gleichzeitig die Kontrolle über die Insel zurückzugewinnen. Doch diese Motivation wirkt konstruiert und wenig überzeugend.
Was hätte besser funktioniert?
- Eine klarere, schrittweise Einführung in die Familiengeschichte und die Konflikte.
- Mehr „Showing“ statt „Telling“ – weniger Andeutungen, mehr nachvollziehbare Handlungen.
- Ein strafferes Tempo, das nicht durch unnötige Nebenmissionen oder überladene Endsequenzen bremst.
- Eine konsistentere Erzählstimme, die Humor, Drama und Kritik besser vereint.
Fazit: Ein verpasste Chance mit Potenzial
Dosa Divas hat eine interessante Prämisse und starke Charaktere, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Die Geschichte wirkt unausgegoren, das Tempo inkonsistent, und die emotionale Bindung zu den Figuren bleibt schwach. Statt eines Spiels hätte die Geschichte möglicherweise als interaktive Graphic Novel oder Animationsserie mehr Wirkung entfaltet. Für Fans von Outerloops früheren Werken ist das Ergebnis enttäuschend – besonders im Vergleich zu Thirsty Suitors, das deutlich überzeugender war.
„Dosa Divas beginnt mit einer vielversprechenden Idee, verliert sich aber in unklaren Erzählstrukturen und überladenen Mechaniken. Es fühlt sich an, als hätte das Spiel mehr Potenzial gehabt – wenn es nur besser strukturiert worden wäre.“